Mit Fallstudien Wissen vermitteln
Wie kann man Interessierten am besten aufzeigen, wie sie das Potenzial von Lösungen aus der Informations- und Kommunikationstechnologie für sich nutzen können? Mit theoretischen Ausarbeitungen oder mit produktorientierten Abhandlungen vielleicht? Das Competence Center E-Business Basel entschied sich im Jahr 2000 für die Wissensvermittlung anhand von Fallstudien. Dabei sollen die Fallstudien möglichst einheitlich nach einer definierten Systematik ausgearbeitet werden, so dass über die Systematik implizit auch das Theoriewissen in Form von Begriffen, Zusammenhängen und Schemata vermittelt wird. Für diese Methode steht unser Begriff eXperience.
Die Fallstudie vermittelt Praxiserfahrungen und zeigt den Kontext, in dem die Aussagen Gültigkeit haben. So kann der Leser entscheiden, ob die Erfahrungen auf ihn übertragbar sind. Eine Fallstudie ist authentisch, d.h. der Leser kann erkennen, mit wessen Erfahrungen er es zu tun hat, er kann entscheiden, ob er dem Urheber vertraut und ihn ggf. sogar kontaktieren. Und Fallstudien sind konkret, sie zeigen, was, wie, warum gemacht wurde und was daraus resultierte. Der Leser erwirbt Beurteilungs- und Handlungsvermögen, er lernt dazu!
Kanäle der Wissensverbreitung
Das Competence Center E-Business Basel der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) erstellt zusammen mit seinen Hochschulpartnern jedes Jahr Fallstudien. Diese Fallstudien beschreiben Lösungen zu einem gemeinsamen Schwerpunktthema und werden nach einem einheitlichen Raster geschrieben. Das Schwerpunktthema wird zu Beginn jeden Jahres zusammen mit den Partnern festgelegt. Anschliessend wird ein öffentlicher «Call for Cases» gestartet. In diesem Call werden Unternehmen gesucht, die bereit sind, ihre Erfahrungen in Form einer Fallstudie der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Im darauf folgenden Auswahlprozess werden diejenigen Projekte identifiziert, die sich am besten für die Wissensvermittlung im definierten Schwerpunktthema eignen. Es werden Autoren bestimmt, die je eine Fallstudie gemeinsam mit dem jeweiligen Unternehmensvertreter dokumentieren. Die Autoren werden dazu in der vom Competence Center E-Business Basel erarbeiteten Systematik geschult und beim Schreiben der Fallstudien gecoacht.
Die erstellten Fallstudien werden der Öffentlichkeit über drei verschiedene Kanäle zugänglich gemacht. Sie werden in einem jährlich erscheinenden Fachbuch im Hanser Verlag veröffentlicht. Eine Auswahl davon wird am Fachkongress «eXperience Event» vorgestellt. Zusätzlich werden die Fallstudien von der eXperience Redaktion in die eXperience Fallstudiendatenbank aufgenommen, kategorisiert und mit Schlagwörtern angereichert.
Persönlicher Wissenstransfer
Eine persönliche Begegnung mit den Erfahrungsträgern ist immer am nachhaltigsten. Deshalb führt das Competence Center E-Business Basel seit dem Jahr 2000 jährlich eine Konferenz durch. Bis 2003 wurde diese unter dem Dach der Orbit/Comdex durchgeführt, seit 2004 als «eXperience Event» in Basel. Acht der ca. 15 im Buch vorgestellten Fallstudien werden am eXperience Event präsentiert. Das Programm richtet sich primär an Geschäftsleitungsmitglieder, Entscheider bei Geschäftsprozessen und Softwareevaluation, Anwender von Business Software, Berater und Dozierende.
Wissen online abrufen
«eXperience online» ist die führende Online-Wissensdatenbank für IT-Management- und E-Business-Fallstudien im deutschsprachigen Raum. Umfassendes Know-how aus über 280 realisierten Projekten ist hier frei verfügbar. Die Publikation von Fallstudien ist kostenlos möglich, wenn die Fallstudie die von der Redaktion gestellten Anforderungen an die Wissensvermittlung erfüllt.
Systematischer Aufbau der Fallstudien
Die Fallstudien behandeln Geschäftskonzepte und Geschäftsprozesse im Zusammenspiel mit Business Software. Der Begriff Business Software wird als Überbegriff für alle Arten betriebswirtschaftlicher Software verwendet. Er schliesst damit sowohl ERP-Systeme als auch E-Business-Software mit ein. Im Folgenden ein Überblick über die Begriffssystematik mit Nennung der Managementkonzepte, Applikationen und involvierten Parteien.
Einheitliches Fallstudienraster
Innerhalb eines Buches sind alle eXperience Fallstudien nach einem einheitlichen Inhaltsraster verfasst. Das Raster wird von Jahr zu Jahr verfeinert und dem jeweiligen Schwerpunktthema angepasst, die grobe Gliederung ist aber in allen eXperience Fallstudien gleich.
Im ersten Kapitel werden zunächst der Hintergrund des Unternehmens, die Branche, die angebotenen Produkte, die Zielgruppe sowie die Unternehmensvision des porträtierten Unternehmens vorgestellt.
Im darauf folgenden Kapitel werden die Auslöser für das Projekt vorgestellt – in diesem Zusammenhang auch der Stellenwert von E-Business in der Unternehmensstrategie, das Zusammenspiel zwischen ERP-System und E-Business-Software (falls vorhanden) sowie die beteiligten Partner.
Kapitel drei beschreibt das eigentliche Projekt und schildert dieses aus der Geschäfts-, Prozess-, Anwendungs- und technischen Sicht.
Anschliessend wird auf Implementierungsaspekte eingegangen. Die Schritte zur Erstellung der Software sowie der letztlich einsatzbereiten technischen Plattform werden kurz skizziert.
Im fünften Kapitel erfolgt die Beschreibung der Erfahrungen aus dem Betrieb. Hier wird die Aufgabenverteilung für den Betrieb des Gesamtsystems deutlich. Kosten, Nutzen und Rentabilität der Lösung werden hinsichtlich der Zielerreichung beurteilt.
Das Abschlusskapitel geht zusammenfassend auf wichtige Erfolgsfaktoren ein. Erläutert werden die Spezialitäten der Lösung, die entscheidenden Veränderungen infolge des Projekts und die Lessons Learned der Personen, die an der Erstellung der Fallstudie beteiligt waren.
Sichtweisen auf die E-Business Lösung
Die in den Fallstudien beschriebenen Projekte werden aus vier Sichten betrachtet:
Geschäftssicht (Business Scenario)
Dass eine Leistung aus einem arbeitsteiligen Prozess mit mehreren Beteiligten hervorgeht, entspricht der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahrzehnte, in denen der Grad an Arbeitsteilung und Spezialisierung ständig zugenommen hat. In der Geschäftssicht wird die Wertschöpfungskonstellation des vorgestellten Projekts behandelt. Es soll verständlich werden, warum die Parteien auf die vorgestellte Weise zusammenarbeiten. Das Business Szenario stellt diese Konstellation grafisch dar:
Prozesssicht (ProZoom Darstellung)
Nachdem das Business Szenario die einzelnen Geschäftsprozesse in ihrem Kontext eingeordnet hat, werden ausgewählte Prozesse in der Prozesssicht vertieft behandelt. Bei grafischen Abbildungen wird die Methode der erweiterten Ereignisgesteuerten Prozesskette verwendet. In den Fallstudien wird dazu die ProZoom Darstellung verwendet.
Anwendungssicht (Verteilung und Integration der Systeme)
Die Anwendungssicht betrachtet die beteiligten Informationssysteme und ihre Verteilung auf die im Business Szenario vorgestellten Rollen. Das verwendete Schema zeigt die Verteilung der wichtigsten Funktionen und Daten, was für das Verständnis der Verantwortungsbereiche, Abhängigkeiten und damit Risiken der Lösung wichtig ist. Indem für die Systeme die drei Layer Datenhaltung, Geschäftslogik und Benutzerinterface unterschieden werden, lässt sich aufzeigen, auf welcher Ebene die Integration erfolgt.
Technische Sicht (IT-Architektur)
Die Technische Sicht beschreibt die Verteilung der Anwendungen auf Hardwaresysteme sowie deren Einbindung in ein Netzwerk resp. Verbund von Netzwerken. Je nach Besonderheit des einzelnen Projekts behandelt sie weitere Aspekte bezüglich der Architektur der Informationssysteme, der eingesetzten Betriebssysteme, Hard- und Software sowie Aspekte der Netzwerktechnologie und Sicherheit. Die technische Sicht wird nicht in allen Fallstudien behandelt.
Nach der eXperience Systematik erstellte Fallstudien
Die meisten der nach der eXperience-Systematik erstellen Fallstudien sind in einem dieser Bücher publiziert worden:
Ein vollständiges Verzeichnis aller in der eXperience-Systematik verfügbaren Fallstudien finden sie hier: Fallstudien in der eXperience-Systematik