Die ehemaligen SVB (Städtische Verkehrsbetriebe Bern) sind seit dem 1. Januar 1998 als öffentlich-rechtliche Anstalt verselbständigt und von der Stadtver-waltung Bern losgelöst. Seit 2001 treten die SVB unter dem neuen Markennamen BERNMOBIL auf. BERNMOBIL betreibt den Bus- und Tramverkehr in der Stadt und Agglomeration Bern. Sie transportiert an einem durchschnittlichen Wochentag 260'000 Personen auf 20 Linien, 2001 waren es insgesamt 80 Millionen Fahrgäste.
Mit 700 Mitarbeiter/innen (+1,4% gegenüber 2000) erwirtschaftete BERN-MOBIL 2001 110,9 Millionen Franken, wovon der Verkehrsertrag inkl. Nebenerträge 78,6 Millionen betrug. 32,3 Millionen Franken stammen aus Abgeltungsbeiträgen. Der Auftraggeber von BERNMOBIL ist der Kanton Bern [1].
"IT oder E-Business ist nicht unser Kerngeschäft, deshalb haben wir sehr vieles ausgelagert. Aber die Federführung bleibt in unserer Hand."
(Jürg Kunz, Leiter Informatik, BERNMOBIL)
2. Organisation und Wettbewerb
Die Aufbauorganisation von BERNMOBIL unterscheidet sechs Bereiche. Im Betrieb sind zwei Drittel aller Mitarbeiter/innen angestellt. Der Bereich Netzwerkmanagement ist im Rahmen der Reorganisation neu geschaffen worden. Zusammen mit dem Direktor konstituieren die Leiter der Bereiche die Geschäftsleitung (vgl. Abbildung 1). Der Leiter Informatik ist dem Leiter Finanzen unterstellt. Der Internetauftritt liegt in der Verantwortung des Bereichs Markt.
Mit dem neuen Erscheinungsbild, den roten (früher grünen) Fahrzeugen, den neuen Haltestellen und den Signalisationsstelen signalisiert BERNMOBIL den Aufbruch in eine neue Ära. Zurzeit geniesst BERNMOBIL eine dominierende Stellung in Bezug auf den öffentlichen Nahverkehr (Tram, Bus, Trolleybus) in und um Bern. Die Zeiten ändern sich aber grundlegend: Die national in Gang gesetzte Marktliberalisierung bedeutet für BERNMOBIL verstärkten Konkurrenzdruck. So will der Kanton in absehbarer Zeit Linien in der Stadt und Agglomeration Bern ausschreiben, so dass sich BERNMOBIL gegen andere Mitbewerber durchsetzen muss.
Abbildung 1: Organigramm BERNMOBIL (vereinfacht)
Für die Zukunft will sich BERNMOBIL nach wie vor als Anbieter Nr. 1 in der Stadt und Region Bern behaupten, ist aber gleichzeitig offen für sinnvolle Kooperationen mit anderen Marktteilnehmern im öffentlichen Verkehr. Insbesondere in den Bereichen Reparatur und Unterhalt des Rollmaterials, in der Angebotsplanung und im Fahrgastmarketing soll die gemeinsame Fachkompetenz gebündelt werden. Ähnliche Überlegungen gibt es im IT-Bereich.
Die Eintrittsbarrieren für neue Konkurrenten auf dem Stadtgebiet sind eher hoch, da BERNMOBIL ein Gesamtsystem betreibt. Trotzdem könnten sowohl nationale als auch internationale Transportunternehmen zukünftig verstärkt oder neu auf dem Platz Bern tätig werden (vgl. Abbildung 2).
Das Hauptkundensegment von BERNMOBIL sind die Fahrgäste. Wenn sie den öffentlichen Verkehr in Bern nutzen wollen, haben sie eine beschränkte Wahlfreiheit. Im öffentlichen Verkehr hat BERNMOBIL Garantien im Rahmen von staatlich erteilten Konzessionen. Dies ändert sich auch nach der Liberalisierung nicht. Dann ist es zwar denkbar, dass ein anderer Anbieter einzelne Strecken abdeckt. Ist eine Strecke aber einmal vergeben, ist der Anbieter für die Dauer der Lizenz auf dieser Strecke vor Konkurrenz geschützt. Der Kanton Bern ist der Auftraggeber von BERNMOBIL. Das Budget zum Betrieb und zum Ausbau des Streckennetzes hängt sehr stark von den Entscheidungen des Kantons und teilweise auch von den Finanzhilfen des Bundes ab.
Abbildung 2: Wettbewerbskräfte BERNMOBIL.
3. Umgang mit neuen Technologien
Als Jürg Kunz 1998 zu BERNMOBIL stiess, stellte sich im Rahmen der IT-Strategie die Frage, ob der IT-Betrieb von der Stadt abgekoppelt werden soll mit der Konsequenz, dass das dafür notwendige Know-how entsprechend aufgebaut werden müsste. Man hat sich dagegen entschieden mit der Begründung, dass Betrieb und Entwicklung der Informatikinfrastruktur nicht zum Kerngeschäft des Unternehmens gehören sollen.
Das rechnergestützte Betriebsleitsystem (RBL) ist nicht im Aufgabenbereich der IT-Abteilung, sondern wird vom Netzwerkmanagement betrieben und zum grössten Teil vom Bereich Betrieb operativ genutzt. Das RBL kommuniziert mit den Fahrzeugen über ein Funksystem. Die Haltestellenansagen im Wageninnern sowie die "SmartInfo"-Anzeigen an den Haltestellen werden über das RBL gesteuert.
Bisher wurden neue Technologien von den Informatikdiensten (ID) der Stadt Bern beschafft und eingeführt. Der Anstoss für die Umstellung auf das E-Mail-Programm Outlook 2000 kam beispielsweise auch von den ID. Die heutige Intranetlösung von BERNMOBIL läuft auf Systemen der Stadt. Hier besteht unterdessen ein gewisser Handlungsbedarf. Jürg Kunz vermutet ein enormes Entwicklungspotential in diesem Bereich in Richtung Optimierung der internen Kommunikationsprozesse und des Knowledge-Managements.
Die Einstellung von BERNMOBIL gegenüber neuen Technologien kann wie folgt zusammengefasst werden: Aus historischen Gründen lag die Führung vor der Verselbständigung klar bei der Stadt. Mit der Verselbständigung von BERNMOBIL verlagern sich Führung und Verantwortung mit zunehmender Tendenz weg von der Stadt Bern hin zum IT-Verantwortlichen von BERNMOBIL.