Die BKW FMB Energie AG (BKW) zählt mit rund 1'500 Mitarbeiter/ innen und einem Versorgungsgebiet von über einer Million Einwohner/ innen zu den grössten Energieunternehmen in der Schweiz. Als Hauptaktionär des über 100 Jahre alten Unternehmens fungiert der Kanton Bern mit rund 60%. Als weiterer bedeutender Anteilseigner tritt die deutsche Energiegruppe E.ON mit 20% auf.
Während sich die Stromerzeugungsaktivitäten auf die Schweiz beschränken, betreibt die BKW einen aktiven Stromhandel auf den wichtigsten europäischen Strommärkten. Ihr Portfoliomanagement ist mit dem im Finanzmarkt praktizierten Portfoliomanagement vergleichbar. Während der Stromabsatz seit Jahren konstant ist, kann im Handel ein stetiges Umsatzwachstum verzeichnet werden.
Die BKW partizipiert an drei verschiedenen Wertschöpfungsstufen: Sie produziert mit eigenen Kraftwerken und Minderheitsbeteiligungen Energie, transportiert diese auf eigenen Leitungsnetzen und vertreibt die Energie an Geschäfts- und Privatkunden. Gegenüber anderen Marktteilnehmern erlaubt der hohe Integrationsgrad einen glaubwürdigen Auftritt als Full-Service-Unternehmen für Energieerzeugung, -transport und -vertrieb
[1].
"Die Umsetzung unserer E-Commerce-Strategie erfolgt etappenweise, was uns ermöglicht, flexibel auf Kundenbedürfnisse und Entwicklungen am Markt einzugehen, jedoch ohne dabei die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen der einzelnen Realisierungsetappen aus den Augen zu verlieren."
(Klaus Volken, Projektleiter E-Commerce, BKW FMB Energie AG)
Ende des Jahres 2000 wurde das Elektrizitätsmarktgesetz (EMG) vom Parlament verabschiedet. Vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Liberalisierung ist die Schweizer Energiebranche im Umbruch. Zahlreiche der heute bestehenden Versorgungsmonopole werden aufbrechen oder zumindest einigen Oligopolen weichen.
Die Konzernorganisation der BKW widerspiegelt ihre starke vertikale Integration. Neben den zentralen Funktionen der Konzernsteuerung gibt es sechs Geschäftseinheiten: Management Services, Technik und Engineering, Netze, Vertrieb, Handel und Produktion (vgl. Abbildung 1).
Abbildung 1: Organigramm BKW (vereinfacht).
Der Wettbewerb spielt in den einzelnen Bereichen unterschiedlich stark (vgl. Abbildung 2): Im Vertrieb muss auch nach einer allfälligen Ablehnung des Referendums gegen das EMG am 22. September in den nächsten Jahren von einem regulierten Markt ausgegangen werden. Erst in sieben Jahren wird der Privatkunde seinen Stromlieferanten frei wählen können. Im Bereich Engineering treten zahlreiche starke Mitbewerber auf. Als Netzanbieter wird die BKW nach wie vor der vom Kanton Bern bestimmte Monopolist für das Versorgungsgebiet im Kanton sein.
Die BKW hat frühzeitig auf die kommenden Marktveränderungen reagiert und mit 1to1energy eine Marke geschaffen, die dank Differenzierung Vorteile beim Vertrieb sichern soll. Hinter dieser Marke steht die Youtility AG, in der sich die BKW mit 43 regionalen Energieversorgern zusammengeschlossen hat. Seitens der BKW wird die 1to1energy von der Abteilung Vertrieb aus gesteuert, wobei eng mit der Abteilung Corporate Communications zusammengearbeitet wird. Der Vertrieb ist eine eigenständige Geschäftseinheit, die analog zu den anderen Einheiten möglichst autonom ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg erwirtschaftet.
Als bedeutender Aktionär und erfolgreicher Player im zunehmend liberalisierten deutschen Markt bringt die E.ON ihr Know-how für den Wandel vom Monopolanbieter zum bedeutenden Energiekonzern ein.
Abbildung 2: Wettbewerbskräfte BKW.
Abbildung 3: Wertschöpfungsstufen im Energiemarkt (vereinfacht).
Die Beurteilung der Wettbewerbskräfte basiert im Wesentlichen auf einer Betrachtung des vertikal integrierten Energieunternehmens BKW. Bei weiter entwickelten Märkten der einzelnen Wertschöpfungsstufen empfiehlt sich die isolierte Betrachtung der einzelnen Stufen zur Abschätzung der Wettbewerbsintensität (vgl. Abbildung 3).