Der Verein IFIS (Verein zur Förderung Integrierter Forstlicher Informations-Systeme) wurde im Oktober 2005 gegründet. Die Gründung war ein Ergebnis der Suche nach einem Finanzierungs- und Trägermodell der hier vorgestellten Lösung [Lemm et al. 2006]. Ein Verein ist praktisch kostenfrei zu gründen, Entscheide werden durch die Mitglieder gefällt, eine Beteiligung Dritter ist unkompliziert und ein Verein kann nicht verkauft werden. Gerade durch die Beteiligung verschiedenster Akteure sind eher Lösungen im Sinne aller bzw. einer Mehrheit und nicht einzelner Exponenten zu erwarten.
Die 65 Mitglieder des Vereins (Juni 2007) setzen sich zusammen aus Koordinationsstellen für Holzvermarktung, Rohholzabnehmern, Forstbetrieben, Holztransporteuren, Entwicklern von Informationssystemen und Vertretern der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL.
Hintergrund, Branche, Produkt und Zielgruppe
Der Schweizer Wald ist aufgeteilt in unzählige kleinere und grössere Parzellen, die in privatem oder öffentlichem Besitz sind. Bewirtschaftet werden diese Parzellen durch Forstbetriebe, die mit Forstunternehmen und Holztransporteuren zusammenarbeiten. Abnehmer des Holzes sind Verwerter wie z.B. Sägewerke, Papierhersteller und Verwerter von Energieholz.
Während die Besitzverhältnisse am Wald seit Jahrzehnten praktisch unverändert geblieben sind, nimmt die Anzahl der Holzverwerter laufend ab. Kleine Sägewerke verschwinden zum Beispiel zunehmend. Für die wenigen grossen Betriebe ist es aufwendig, die benötigte Menge der richtigen Holzart in der richtigen Dimension und der richtigen Qualität bei den vielen kleinen Holzlieferanten zu finden und zu bekommen.
Aufgrund dieses Umstands haben sich in den letzten Jahren in der Schweiz mehrere Koordinationsstellen für die bedarfsgerechte Bereitstellung von Holz gebildet. Die Koordinationsstellen sind in der Regel Aktiengesellschaften und im Besitz der Waldeigentümer und Forstbetriebe. Diese Koordinationsstellen bilden für den Verein IFIS im Projekt IFIS UNO die Hauptzielgruppe.
In kommenden Projekten will der Verein Anwendungen für weitere an der Supply Chain Holz beteiligte Gruppen bereitstellen, z.B. die Anwendung IFIS Forstbetrieb: zur Unterstützung der Förster bei Finanz-, Betriebs- und Lohnbuchhaltung und bei der Auftragsabwicklung, oder die Anwendung IFIS Parzellenverwaltung: zur Unterstützung der Verwaltung von Waldeigentümern und Parzellendaten mit entsprechender Massnahmenplanung für die Bewirtschaftung.
Unternehmensvision
Im Hinblick auf den durch die Statuten festgelegten Zweck verfolgt der Verein IFIS die folgende Vision:
Integrierte forstliche Informationssysteme unterstützen die innerbetrieblichen und betriebsübergreifenden Aufgaben und die unternehmensübergreifende Kommunikation, Koordination und Kooperation unter den Akteuren in der Holzkette.
Stellenwert von Informatik und E-Business
Ohne Informatik und E-Business ist für den Verein IFIS eine kostenoptimierte Holzvermarktung nicht denkbar. Der Stellenwert und die Anforderungen an die Informationssysteme sind entsprechend hoch. Ein durch den Verein IFIS gefördertes Informationssystem soll:
- Ausschliesslich über Webbrowser genutzt werden können
- Die beteiligten Rollen mit eigenen Sichten auf Daten und Funktionen unterstützen
- Alle benötigten Funktionen integrieren und komponentenbasiert sein
- Die Verwendung des Systems zu kalkulierbaren Kosten ermöglichen
Spezialitäten der Lösung
Die Lösung basiert auf dem „Software as a Service“ (SaaS) Ansatz, d. h., dass für Holzlieferanten und Koordinationsstellen die Kosten nach Inanspruchnahme abgerechnet werden. Für Anbieter von Dienstleistungen und für die Abnehmer von Holz fallen gar keine Kosten an.
IFIS UNO beinhaltet eine strikte Rollentrennung: Jede Rolle sieht nur die eigenen Daten und es stehen ihr nur die notwendigen Funktionen zur Verfügung. Z.B. sieht ein Holzlieferant nur das durch ihn angebotene Holz oder ein Holzverwerter nur seine Bestellungen.
Reflexion der „Business Collaboration“
Durch die detaillierte Prozessaufnahme im Projekt und die individuelle Entwicklung auf Basis von Ramco Virtual Works ist keine in der Schweiz erhältliche Standardlösung so auf die Prozesse der Supply Chain Holz zugeschnitten wie IFIS UNO.
Die softwareunterstützte Vernetzung der beteiligten Akteure mit IFIS UNO ist effizient: Einmal im System erfasste Informationen wie z.B. Adressen, Angebote, Offerten und Lieferungen werden durch das System bis und mit Fakturierung durchgängig verwendet.
Das Konzept überzeugt bereits weitere Koordinationsstellen und Unternehmen. Es ist zu erwarten, dass diese sich IFIS UNO rasch anschliessen werden.
Lessons Learned
Das Vereinsmodell hat sich als Erfolg versprechend erwiesen. Für jedes Projekt des Vereins werden allerdings von Beginn an Unternehmen und Organisationen benötigt, die das zu entwickelnde System finanziell unterstützen und später auch nutzen wollen.
Wie in vielen anderen IT-Projekten wurde bei IFIS UNO der Testaufwand unterschätzt. Dies zeigte sich speziell darin, dass beim Testen oft noch Änderungswünsche oder Fehlinterpretationen der Spezifikation auftauchten. Ein identifizierter Ausweg wäre, dass man in der Testphase gleich zu Beginn so genannte „Use Cases“ dokumentiert, anhand derer die Entwickler Geschäftsfälle im System selber durchspielen können, und dass so erneutes Testen durch die Nutzer vermieden werden kann.