Die Fallstudie nimmt primär die Sicht des Betreibers der E-Business-Lösung ein, also die Sicht der Kaved AG. Dieses Kapitel beschreibt zunächst das Unternehmen Kaved und seine Leistungen. Auf die E-Business-Lösung und die in diesem Zusammenhang wichtigen Partner wird in den nachfolgenden Kapiteln eingegangen.
Hintergrund:
Die Kaved AG wurde 1967 gegründet. Der Unternehmenszweck bestand von Anfang an darin, Kabel für die Schweizer Maschinen- und Apparateindustrie zu konfektionieren. 1972 übernahm die Dätwyler Holding in Altdorf Kaved als 100-prozentige Tochter. Die Geschäftsaktivitäten wurden nun erweitert durch Dienstleistungen für Dätwyler. Durch die Übernahme erhielt Kaved Zugang zum Know-how von Dätwyler. Seit 1995 erbringt Kaved zudem Konfektionierungs- und Logistikdienstleistungen für die Aufzugsindustrie.
Die Dätwyler Gruppe beschäftigt heute weltweit rund 4'200 Mitarbeitende und erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von über einer Mrd. Schweizer Franken. Dätwyler ist ein diversifizierter Mischkonzern mit den Konzernbereichen Kabel+Systeme, Gummi+Kunststoffe, Präzisionsrohre, Pharmazeutische Verpackungen und Technische Komponenten. Kaved ist dem Bereich Kabel+Systeme zugeordnet und beschäftigt 100 Mitarbeitende.
Kaved pflegt eine Firmenkultur, die Topleistungen fördert. Sie versteht sich als Wertschöpfungspartner, der den Kunden einen erfolgsentscheidenden Mehrwert bietet. Kundenorientierung, kompetente Mitarbeitende und der Einsatz modernster Technologien sind die Erfolgsfaktoren.
Branche, Märkte und Zielgruppen:
Der Maschinen- und Apparatebau ist gekennzeichnet durch starke zyklische Auftragsschwankungen, grossen Kostendruck und hohe Wettbewerbsintensität. Gefragt sind ausschliesslich kundenspezifische Konfektionen in sehr kleinen bis mittleren Losgrössen. Materialwahl und Fertigungsverfahren sind weitgehend optimiert. Nahezu unbeachtet blieb bisher die administrative Auftragsabwicklung wie Bestellung, Auftragsbestätigung, Rechnungsstellung und Auftragsdatenarchivierung. Moderne Technologien wie B2B und Internet bieten gerade in diesem Bereich beträchtliche Einsparpotenziale.
Die Aufzugsbranche unterliegt bei Neuanlagen den Schwankungen der Baukonjunktur in den verschiedenen Märkten. Dazu kommt ein stark steigender Modernisierungsbedarf für bestehende Aufzugsanlagen. Auch in dieser Branche herrscht grosser Kostendruck. Zulieferer haben grosse Vorleistungen für Know-how-Aufbau, Produktionsanlagen und IT zu erbringen. Der Markt erfordert von den Anbietern sehr kurze Durchlaufzeiten und absolute Termintreue. Zu diesen eher qualitativen Anforderungen kommen klare Kostenvorgaben der Abnehmer hinzu. Anbieter wie Kaved sind daher gezwungen, durch stetige Optimierung von Material und Produktionsprozess Kosten zu sparen.
Schindler ist der zweitgrösste Aufzugs-Hersteller weltweit und der wichtigste Kunde von Kaved. Umgekehrt zählt Kaved zu den Schlüssellieferanten von Schindler. Konfektioniert wird in Losgrösse 1 (pro Aufzug). Die grosse Komplexität und die extreme Variabilität der Kabelsysteme stellen sehr hohe Anforderungen an den gesamten Wertschöpfungsprozess und an dessen Steuerung.
Unternehmensvision:
Kaved ist der führende Hersteller von konfektionierten Kabelsystemen für die gesamte Schweizer Industrie und für die Aufzugsindustrie weltweit. Die starke Position im Wettbewerb soll langfristig gesichert werden durch einen Zusatznutzen, den Kaved ihren Kunden bietet. Der Vorsprung gegenüber den Mitbewerbern basiert auf dem Know-how, den IT-Lösungen und der Logistikkompetenz von Kaved.
Die Entwicklung der E-Business-Strategie der Kaved AG wurde stark von der Zusammenarbeit mit Schindler beeinflusst. Schindler wollte im Bereich Aufzüge den Teil der Wertschöpfungskette auslagern, der nicht zum Kerngeschäft gehört, und die gesamte Bereitstellung der Installationskomponenten einem Zulieferer übertragen. Mit der Annahme dieser Herausforderung begab sich Kaved in einen neu entstandenen Nischenmarkt und entschied sich gleichzeitig für die Einführung einer umfassenden E-Business-Lösung.
Stellenwert von E-Business in der Unternehmensstrategie:
Mit ihrer E-Business-Strategie verfolgt Kaved eine Reihe strategischer Unternehmensziele. Die Vernetzung mit den Kunden generiert für die Kunden einen Zusatznutzen, der insbesondere zu einer Senkung der Auftragsabwicklungskosten, konstant hoher Qualität und zu kurzen Lieferzeiten führt. Auch auf der Seite von Kaved senkt der Einsatz von E-Business die Kosten der Auftragsabwicklung. Kurze Durchlaufzeiten reduzieren die Kapitalbindungskosten.
Dem E-Business kommt in der Unternehmensstrategie von Kaved eine bedeutende Rolle zu. Es stützt die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens mit positiven Auswirkungen auf Kosten und Produktivität. Im Falle der Kabelkonfektionierung spielt E-Business gemeinsam mit der CIM-Fertigung eine ganz besondere Rolle: die einer „Enabling Technology“. Denn eine rationelle maschinelle Konfektionierung der komplexen Verkabelungssysteme wird durch die E-Business-Unterstützung überhaupt erst ermöglicht.
Der Einsatz des E-Business erlaubt es der Kaved AG, langfristige Wertschöpfungspartnerschaften einzugehen, die den Kunden grosse Produktivitätspotenziale erschliessen. Durch den
Einsatz modernster Informations- und Produktionstechnik wird den geänderten
Marktbedürfnissen nach kleineren Losgrössen, kürzeren Lieferzeiten und einem guten Preis-/Leistungsverhältnis Rechnung getragen.
E-Business-Einsatzfelder im Unternehmen:
Das von Kaved eingesetzte ERP-System IN:ERP enthält verschiedene E-Business-Anwendungen, wie zum Beispiel CRM- und SCM-Module sowie die externe Integration von Kunden über ein Extranet (vgl. ausf. Kapitel 3). Bereits heute werden 70 % des Umsatzes elektronisch abgewickelt und direkt als Aufträge in den CIM-Prozess übernommen.
Elektronische Marktplätze nutzt Kaved bislang nur zum Zwecke der Informationsbeschaffung. Sie dienen der Evaluation von Rohmaterialien und helfen, günstige Lieferanten aufzuspüren. Weitere beschaffungsseitige E-Business-Lösungen sind bei Kaved noch nicht im Einsatz.
Eine eigene Intranetlösung von Kaved existiert nicht. Kaved nutzt das Intranet des Dätwyler Konzerns.
Der Internetauftritt von Kaved präsentiert heute überwiegend Unternehmens- und Produktinformationen. Künftig soll die Website dazu benutzt werden, den Kunden Informationen über die von Kaved eingesetzten Rohmaterialien zur Verfügung zu stellen. Der Kunde erfährt auf diese Weise, welches Material Kaved zu günstigen Konditionen zur Verfügung steht, und kann dies bereits in der Entwicklungsphase entsprechend berücksichtigen.
Partner:
ERP-Anbieter und Informatikpartner
Das ERP-System und die darauf aufbauenden Integrationskomponenten stammen von der Informing AG im nahe gelegenen Stans. Informing bietet seit 1988 ERP-Systeme an und beschäftigt heute 40 Mitarbeitende. Das Hauptprodukt IN:ERP gehört in die Kategorie der ERP-II-Systeme.
Hauptzielgruppe des IN:ERP sind mittelgrosse Unternehmen mit etwa 50 bis 500 Mitarbeitenden. Informing vermarktet ihre Produkte vorwiegend in deutschsprachigen Ländern. Die Basis für das Geschäft liegt im Vertrauen der Kunden über den gesamten Lebenszyklus der Produkte hinweg. In der Regel ist Informing langjähriger Partner ihrer Kunden.
Geschäftspartner
Der Schindler Konzern mit dem Hauptquartier in Ebikon bei Luzern zählt wie bereits gesagt zu den wichtigsten Kunden von Kaved und ist in der Schweiz der führende und weltweit der zweitgrösste Hersteller von Aufzugsanlagen.
Kaved übernimmt als Zulieferer von Verkabelungssystemen einen Teil des Wertschöpfungsprozesses für Schindler. Mit solch strategisch wichtigen Lieferanten geht Schindler langfristige Partnerschaften ein. Sie verfolgen das Ziel, Entwicklungszeiten, Lieferfristen, Fertigungs- und Logistikkosten sowie Installations- und Inbetriebnahmeaufwand von Aufzügen drastisch zu reduzieren.