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Wölfle, Ralf; Schubert, Petra (Hrsg.): Dauerhafter Erfolg mit Business Software - 10 Jahre Fall |
Die eltromat GmbH entwickelt, produziert und vertreibt Systeme zur optischen Qualitätssicherung für alle bekannten Druckverfahren der Druckmaschinenindustrie. Darunter fallen Qualitätsprüfsysteme und Regelsysteme, die mit Hilfe von integrierter Steuerungselektronik und Bildverarbeitungstechnik die Qualität der Druckerzeugnisse während des laufenden Betriebes erhöhen. Zu der Zielgruppe von eltromat gehören Maschinenhersteller und Einzelanwender von Druckmaschinen in weltweit mehr als 100 Ländern. Insgesamt hat das Unternehmen einen Kundenstamm von gegenwärtig 2'600 Kunden.
Das Unternehmen wurde 1960 in Leopoldshöhe in den Räumlichkeiten einer alten Schule gegründet. Von dem damals neuartigen Registerregler für Tiefdruckmaschinen über das weltweit erste kamerabasierte Farbbahnbeobachtungsgerät (1986) bis hin zu dem neu entwickelten Plattformkonzept zur intelligenten Verbindung von Bahnbeobachtung und Registerregelung (2008) wuchs das Unternehmen auf gegenwärtig 315 Mitarbeitende weltweit.
Neben den beiden Entwicklungs- und Produktionsstätten in Deutschland (Leopoldshöhe und Zwenkau) unterhält eltromat Vertriebsniederlassungen in Frankreich, Grossbritannien, Spanien, Italien und den USA. Ein weiterer Vertriebspartner in China ergänzt die eltromat-Gruppe.
Insgesamt 40 Servicetechniker installieren, optimieren und warten die von eltromat entwickelten und produzierten Systemlösungen weltweit. Das in zweiter Generation inhabergeführte Unternehmen erwirtschaftete in insgesamt fünf Länderniederlassungen im Jahr 2008 einen Umsatz von 36 Mio. EUR.
Unternehmensvision
Als Familienunternehmen legt eltromat viel Wert auf die harmonische Verbindung von Familie und Beruf. Die Schaffung verbindlicher betrieblicher Rahmenbedingungen ist ein zentraler Bestandteil einer familienfreundlichen Strategie, die ein effizienteres und mehr auf den Kunden orientiertes Arbeiten ermöglichen soll. eltromat sieht in der Familienfreundlichkeit nicht nur ein soziales, sondern auch ein strategisches und betriebswirtschaftliches Instrument zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Arbeitsqualität seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Stellenwert von Informatik und E-Business
Die elektronische Informationsverarbeitung dient eltromat nicht nur als Werkzeug für die effiziente Abwicklung der eigenen Geschäftsprozesse. Als Hardware- und Softwareproduzent von Lösungen für die Druckmaschinenindustrie ist Informationstechnologie ein Teil der Kernkompetenz des Unternehmens.
In einem Marktumfeld, in dem die Rechenleistung der Hardware für die Performance der Qualitätssicherungssysteme kein signifikantes Differenzierungsmerkmal mehr darstellt, hat eltromat im Laufe der letzten zehn Jahre seine Ressourcen von der auftragsbezogenen Einzelfertigung hin zur Teil-Serienfertigung verlagert. Mit einem deutlich stärkeren Fokus auf die Softwareentwicklung hat sich das Unternehmen neu im Markt aufgestellt. Innovative Technologien (z.B. in der Echtzeitprogrammierung) garantieren dem Hersteller von Qualitätsprüfsystemen das notwendige fachliche Know-how, um konkurrenzfähig zu bleiben.
Dank der neu gewonnenen Kompetenzen ist das Unternehmen daher in der Lage, sich auch aktiv bei der Weiterentwicklung von Teilen seines ERP-Systems proALPHA einzubringen. Das im Jahr 2007 bei eltromat eingeführte Service-Modul wurde in Zusammenarbeit mit dem ERP-Softwarelieferanten fertig gestellt, ebenso wie das „Kundenstammblatt“, eine integrierte Übersicht aller kundenrelevanten Informationen.
Zudem ist das Unternehmen bemüht, möglichst frühzeitig neue Funktionalitäten von proALPHA in seine Lösung mit einzubeziehen, auch wenn zu Beginn der Einführung die neue Software noch nicht vollständig auf Fehler geprüft ist. Der Nutzen der neuen Module als First Mover übersteigt nach Meinung von eltromat das Risiko einer fehleranfälligen Software.
Investitionsentscheidung
Nach dem anfänglichen Entschluss von eltromat, eine neue ERP-Software einzuführen, kamen zwei Anbieter in die engere Auswahl. Nach mehreren Workshops und Vorstellungen der beiden Konkurrenten testete ein internes Projektteam beide Softwarelösungen hinsichtlich Usability, Performance und anderer Kriterien. Basierend auf dem Testergebnis entschied die Geschäftsführung schliesslich zugunsten von proALPHA. Der wichtigste Grund lag dabei in der grossen Anzahl der vollständig integrierten Module und den technisch innovativen Ansätzen der Software im Vergleich zu den Konkurrenten (z.B. ansichtsabhängige Fenster). Damit stellte proALPHA eine dauerhafte und zukunftsorientierte Software dar, die eltromat in seinen Bestrebungen am besten unterstützte, die bisher genutzte heterogene Softwarelandschaft zu ersetzen.
Projektmanagement und Change Management
Nach einem fast einjährigen Auswahlprozess entschied sich eltromat im Juli 1999 für proALPHA. Da eine Einführung des neuen Systems unbedingt zum 01.01.2000 stattfinden musste (Jahr-2000-Problematik), wurde zusammen mit proALPHA die Einführung des Systems für die Warenwirtschaft und die Finanzbuchhaltung (beide durch das Alt-System unterstützt) in den verbliebenen fünf Monaten umgesetzt. Die im Alt-System verwalteten Stammdaten wurden in das proALPHA-System migriert und dessen Funktionen für die beiden Bereiche getestet.
Fristgerecht zum 01.01.2000 wurde das Alt-System abgeschaltet, und proALPHA wechselte in den Echtbetrieb. In den Folgemonaten und –jahren wurden weitere Module von proALPHA erfolgreich bei eltromat eingeführt. Noch im Jahr 2000 folgte das PPS-Modul, 2001 die Kostenstellenrechnung und das Dokumentenmanagementsystem. 2003 wurde der proALPHA-Analyzer implementiert, ein Reporting-Werkzeug, das es eltromat zum ersten Mal erlaubte, unternehmensweite Kennzahlen aufzustellen und auf Basis der bisher gesammelten Geschäftsdokumente präzise Analysen und Prognosen zu erstellen. 2006 wurde das APS-Modul (Advanced Planning and Scheduling) eingeführt, das eine systeminterne Terminplanung ermöglicht. Im Jahr 2007 folgte zuletzt das Service-Modul, das unter anderem für Einsatzplanung und Call-Erfassung eingesetzt wird.
Zu Beginn des Projekts waren naturgemäss innerhalb der Belegschaft einige Widerstände gegen das neue System zu spüren. Schwierigkeiten in der Einarbeitung und täglichen Nutzung mussten durch die Projektleitung in den Folgemonaten nach der vergleichsweise raschen Einführung behoben werden. Dank einer andauernden und konsequenten Unterstützung des Systems durch die Geschäftsführung im gesamten Unternehmen konnten die Bedenken und Probleme der Mitarbeitenden jedoch mit der Zeit ausgeräumt werden.
Evaluation, Entstehung und Roll-out der Lösung
Generell wurde eine Step-by-Step-Strategie verfolgt, die eine schrittweise Einführung des gesamten Systems vorsieht. Die Einführung der einzelnen Module der proALPHA-Lösung konnte allerdings je nach Anforderung und zeitlicher Vorgabe mit unterschiedlichen Strategien umgesetzt werden. Die ersten Bereiche Materialwirtschaft und Finanzbuchhaltung mussten zum 01.01.2000 vollständig umgestellt sein, da das Alt-System als „nicht-2000-sicher“ galt. Während in der Materialwirtschaft die alten Stammdaten ohne weitere Begutachtung in das neue System migriert wurden, buchte man aus Sicherheitsgründen in der Finanzbuchhaltung vorab drei Monate lang im neuen System parallel mit.
In den Folgejahren erfolgte eine sukzessive Übernahme in den produktiven Status. Dabei gab es von eltromat aus kein gezieltes Anforderungsprofil der noch zu installierenden proALPHA-Funktionalitäten. Vielmehr wollte man das Potenzial der Software so weit wie möglich ausschöpfen, d.h. alle Unternehmensbereiche, die proALPHA unterstützen konnte, sollten bei Verfügbarkeit die Software im Sinne einer vollständig integrierten betriebswirtschaftlichen Software auch verwenden. Entsprechend dieser Prämisse wurden bis heute für eltromat betriebswirtschaftlich sinnvolle Entwicklungen in die bestehende Applikation integriert.
Laufender Unterhalt
Für jeden Geschäftsbereich zeichnet ein Key User verantwortlich, der sich mit der Software in dem Bereich sehr gut auskennt. Unter der Kontrolle eines Projektleiters werden sukzessive neue Module auf deren Mehrwert für eltromat hin untersucht. Werden Potenziale für Prozessverbesserung, -vereinfachung oder -transparenz in der Software proALPHA erkannt, so wird in der Regel über die Einführung des entsprechenden Moduls diskutiert und projektteamintern zusammen mit dem jeweiligen Key User über Vor- und Nachteile einer Moduleinführung beraten. Im Falle eines positiven Bescheids wird ein Einführungsprojekt mit proALPHA vereinbart. Momenten nutzt eltromat 96 Lizenzen mit insgesamt 160 Nutzern. Zwei Mitarbeiter des Unternehmens kümmern sich um die IT-Infrastruktur, d.h. unter anderem Wartung der vor Ort befindlichen Hardware oder Installation von Clients. Die externe Betreuung durch proALPHA wird durch einen Wartungsvertrag gesichert, der Dienste wie Softwarewartung, Hotlinebereitstellung oder regelmässige Updates beinhaltet. Die laufenden Kosten der Serviceleistungen des IT-Partners für eltromat betragen etwa 70'000.- EUR im Jahr.