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Wölfle, Ralf; Schubert, Petra (Hrsg.): Dauerhafter Erfolg mit Business Software - 10 Jahre Fallstudien nach der eXperience Methodik, München: Hanser Verlag, 2009. |
Schindler ist ein global führender Mobilitätsanbieter und transportiert mit seinen Aufzügen und Fahrtreppen täglich 900 Millionen Menschen.
Der 1874 in der Schweiz gegründete Schindler-Konzern beschäftigt weltweit 45'063 Mitarbeitende (Ende 2008) und umfasst zwei Kernbereiche: „Aufzüge & Fahrtreppen“ mit einem Umsatzanteil von 62 % und 43'226 Mitarbeitenden im Jahr 2008 sowie „ALSO“, eine in Europa führende Grosshandels- und Logistikunternehmensgruppe für Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Unterhaltungselektronik. Per Ende 2008 hielten die Familien Schindler und Bonnard sowie diesen Familien nahestehende Personen 70.5 % der Stimmrechte des im Handelsregister eingetragenen Aktienkapitals.
Als weltweit führender Anbieter von Fahrtreppen und zweitgrösster Hersteller von Aufzügen ist das Unternehmen mit über 1'000 Geschäftsstellen in 140 Ländern auf allen Kontinenten vertreten. Im Jahr 2008 wurden 8'761 Mio. CHF Umsatz erwirtschaftet mit einem EBIT von 10,2 %. Das Angebot reicht von kostengünstigen Aufzügen für kleinere Wohnhäuser bis hin zu anspruchsvollen Zugangs- und Beförderungskonzepten für Wolkenkratzer. Die Lösungen zeichnen sich durch benutzerfreundliche und umweltschonende Technik aus. Hauptzielgruppen für Neuanlagen sind Architekten und Generalunternehmer, für den Unterhalt installierter Anlagen sind es Gebäudeunterhaltsunternehmen und Gebäudeeigentümer.
Unternehmensstrategie
Um die führende Marktposition zu erhalten, sind die Wettbewerbsvorteile stets neu zu erarbeiten. Deshalb werden Prozesse kontinuierlich optimiert. Zudem wird die Fertigungstiefe durch Konzentration auf ausschliesslich strategische Kernkompetenzen gesenkt und die Zahl der Produktfamilien auf eine überschaubare Zahl reduziert. Damit soll die Wettbewerbsposition im zunehmend preissensitiven Markt durch Kostenführerschaft verbessert werden. Gleichzeitig wird fortlaufend an der Entwicklung technologisch führender Produkte gearbeitet.
Durch die weltweite Präsenz nutzt das Unternehmen die unterschiedlichen globalen Wachstumszyklen und glättet Währungsrisiken sowie konjunkturelle Schwankungen in der Bauindustrie. Schindlers Leitgedanke lautet «Leadership through Service», denn während der rund 30-jährigen Lebensdauer der Anlagen spielt deren einwandfreie Funktion die entscheidende Rolle. Deshalb wird weltweit und kundennah ein dichtes Dienstleistungsnetz angeboten.
Beschaffungssituation
Die Beschaffung ist als globales Netzwerk von Produktgruppen- und Länderteams organisiert, das vom Ressort Corporate Purchasing geleitet wird. Diese Teams arbeiten eng zusammen, um die Beschaffung einheitlich und effizient zu gestalten.
Zur erfolgreichen Umsetzung der Strategien für die Komponenten- und Systembeschaffung setzt Schindler auf langfristige win-win-Partnerschaften mit den Lieferanten und strebt die kontinuierliche Verbesserung der gesamten Wertschöpfungskette an.
Corporate Purchasing fokussiert auf die folgenden sechs strategischen Leitlinien:
Die entscheidenden Argumente für das Projekt waren technologische und kommerzielle Überlegungen. Einerseits wollte man das Schindler-eigene Logistiktool nach mehreren Anläufen endlich ablösen. Diese „Eigenheit“ beschnitt Schindler in der Flexibilität bei der Carrier-Auswahl. Andererseits wurde das Tool nur noch von einer Person gewartet, wodurch eine risikobehaftete Abhängigkeit bestand. Es wurde ein Business Case für das Projekt SLOPE gerechnet, für den es Ende 2007 grünes Licht zur Umsetzung gab.
Projektmanagement und Change Management
Das Projekt SLOPE wurde vom Bereich Logistik des Ressorts Product Line Management geleitet. Das interdisziplinäre Team bestand zudem aus Personen des Einkaufs, der Informatik (SAP CC) und des Direct Order Center als direkt betroffene operative Einheit. Von Seite SupplyOn leitete das Projekt ein Consultant, der für die Erarbeitung der Meldungsspezifikationen verantwortlich war. Er koordinierte auch die Zusammenarbeit mit den internen technischen Ansprechpartnern und dem Product Management von SupplyOn. Von Seite der Carrier und Lieferanten waren entweder die betriebseigene IT oder eine Person des externen Dienstleisters involviert, ausserdem Personen aus dem operativen Verkauf.
Für die Carrier bedeutete SLOPE, ein grösseres Integrationsprojekt mit Schindler abzuwickeln. Gleichzeitig war ihnen bewusst, dass Schindler dank der neuen Lösung technisch unabhängiger würde. Deshalb konnte bald festgestellt werden, dass dem Projekt nicht von allen Carriern die erwartete Priorität eingeräumt wurde. Schindler reagierte darauf, indem die Umstellung auf den neuen Prozess nicht wie ursprünglich geplant für alle Carrier auf einen gemeinsamen Termin, sondern nach den Möglichkeiten der einzelnen Carrier ausgerichtet wurde. Zudem übernahm Schindler die Registrierungs- und Schnittstellengebühren, die SupplyOn von den Carriern erheben würde.
Auch die Lieferanten mussten für den neuen Logistikprozess gewonnen werden, denn sie hatten gegenüber dem bis dahin vereinbarten Meldungsumfang mehr Meldungstypen und zusätzliche Daten zur Transporteinheit zu liefern.
RealisierungEvaluation, Entstehung und Roll-out der Lösung
Schindler arbeitete für den elektronischen Datenaustausch mit den Lieferanten seit 2006 gut mit SupplyOn zusammen. Weil im Rahmen von SLOPE ein integrierter Austausch der Logistikmeldungen geplant wurde, fiel im Jahr 2007 auch der Entscheid bei der Konzeption der technischen Umsetzung auf diesen bestehenden IT-Partner. Ein weiterer wesentlicher Grund war, dass sich die funktionalen und geographischen Anforderungen von Schindler mit den Weiterentwicklungsabsichten von SupplyOn deckten.
Als erstes musste der neue Prozess definiert und detailliert spezifiziert werden. Daraus konnten die zusätzlichen Informationen für bestehende elektronische Meldungen sowie die für den Logistikprozess erforderlichen neuen Meldungen abgeleitet werden. Um sicherzustellen, dass diese neue Lösung auch als Standard für andere Branchen angeboten werden kann, setzte SupplyOn eigens eine Experten-Gruppe zur Beurteilung der Lösung ein.
Damit der voll integrierte Logistikprozess reibungslos abgewickelt werden kann, ist die Anbindung aller Schlüssellieferanten für Komponenten, die geographisch einem Elevator Consolidation Hub zugeordnet sind erforderlich. Um dies zu erreichen, konnte Schindler auf den bestehenden Prozess zur Lieferantenanbindung zurückgreifen, der sich schon vor dem Projekt SLOPE bewährt hatte (siehe Abb. 5). Der Prozess beginnt mit einem Kick-off-Meeting. Danach registriert sich der Lieferant auf der SupplyOn-Plattform und schliesst mit SupplyOn einen Vertrag. Darauf folgt eine Testphase. Bei der WebEDI-Lösung werden die Lieferanten durch Schindler für den Prozess geschult. Nach einem letzten Acceptance-Test werden die erforderlichen Datenanpassungen und -übernahmen vorgenommen. Schliesslich kann das Go-Live erfolgen.