Durchgängiges Innovationsmanagement bei der ThyssenKrupp Stahl AG

19. Juli 2003



Bei der ThyssenKrupp Stahl AG sorgt eine .NET-basierte Lösung für ein durchgängiges Innovationsmanagement. Ergebnis: Mehr Innovationsideen fließen ein und das Bewertungs- und Auswahlprocedere wird deutlich effizienter. Das Software- und Beratungshaus LogicaCMG hat für die ThyssenKrupp Stahl AG diese Lösung für ein effizientes Innovationsmanagement auf der Basis von Microsoft .NET entwickelt: Via Intranet können die Mitarbeiter aller Bereiche unkompliziert Vorschläge einreichen, die dann einem optimierten Bearbeitungs- und Bewertungsprozess zugeführt werden. Trotz gestiegener Vorschlagszahlen und beschleunigter Evaluierung wird kein zusätzliches Personal benötigt. Die offene und wartungsfreundliche Lösung ist auch für Unternehmen anderer Branchen geeignet.


1. Das Unternehmen

Die ThyssenKrupp Stahl AG ist die größte Gesellschaft der Business Unit Carbon Steel innerhalb der ThyssenKrupp Steel AG. Diese erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr knapp 12 Milliarden Euro Umsatz. Mit einer jährlichen Rohstahlerzeugung von durchschnittlich 16,7 Millionen Tonnen sowie rund 51.000 Mitarbeitern an 94 Standorten ist ThyssenKrupp Stahl ein Global Player im internationalen Markt für Flachstahlprodukte.


2. Ausgangslage und Problemstellung

Stahl - der Stoff gab dem Industriezeitalter sein Gepräge. Ein Material mit großer Vergangenheit und ebenso großer Zukunft. Stahl ist und bleibt einer der wichtigsten Industriewerkstoffe überhaupt. Eigenschaften und Herstellungsverfahren werden permanent verbessert und für immer neue Einsatzzwecke optimiert.

„Die Stahlbranche ist ein hochinnovativer Wirtschaftszweig. Deshalb hängt die Wettbewerbsfähigkeit heute entscheidend von der Innovationskraft eines Unternehmens ab“, sagt Dr. Hans-Joachim Krautwald, Hauptbereichsleiter im Direktionsbereich Verbesserungsprozesse der ThyssenKrupp Stahl AG, Duisburg. Die Stahlsparte des internationalen ThyssenKrupp Konzerns fokussiert vorrangig auf Dienstleistungen und Produkte im Bereich Flachstahl, einem Marktsegment mit kurzen Innovationszyklen, hoher Wertschöpfung und überdurchschnittlichen Wachstumsraten.

Innovation lebt von den Ideen der Mitarbeiter
Ein Team um Dr. Hans-Joachim Krautwald und Dr. Sommer, Hauptbereichsleiter im Werkstoffkompetenzzentrum, ist mitverantwortlich dafür, dass sich bei ThyssenKrupp Stahl eine Firmenkultur etabliert, die möglichst alle Innovationsquellen im Unternehmen erschließt und zielgerichtet bündelt. Für ihn steht fest: „Innovation wird nicht allein in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen geboren, sondern entsteht überall im Unternehmen, auch in Zentral- und Produktionsbereichen. Firmenweit akkumuliertes Praxiswissen ist ein unschätzbares Potential, das keinesfalls ungenutzt bleiben darf.“

Für ein adäquates Innovationsmanagement ergeben sich daraus im wesentlichen folgende Kernaufgaben: Möglichst viele Mitarbeiterideen müssen eingesammelt werden. Das heißt, Zugangsschwellen müssen abgesenkt und Vorschläge einfach und ohne großen Aufwand unterbreitet werden können: Bürokratie ist der Feind jeder Kreativität. Zudem müssen effiziente Bearbeitungs- und Bewertungsprozesse für eine produktive und zuverlässige Evaluierung der Ideen sorgen, damit die tragfähigsten unter ihnen herausgefiltert und zügig in Unternehmensprojekte umgesetzt werden können. Und nicht zuletzt besteht die Forderung nach hoher Transparenz im gesamten Ablaufgefüge. Denn Mitarbeiter sollen sich jederzeit über den Bewertungsstatus ihrer Ideen und Vorschläge informieren können – ein unerhört wichtiger Aspekt, wenn es um die Motivation der Mitarbeiter geht, findet Dr. Hans-Joachim Krautwald.


3. Integration mit kombiniertem Architekturmodell

Die systemseitige Unterstützung für das Innovationsmanagement bei ThyssenKrupp Stahl übernahm die LogicaCMG CMG Software Development and Consulting GmbH, einer der größten in Europa gelisteten IT-Dienstleister: „Für uns lag die Herausforderung auch darin, vorhandene Lösungs- und Systemstrukturen nahtlos in eine zukunftsfähige, erweiterbare Lösung zu integrieren“, berichtet Stephan Fenske, Projektleiter bei LogicaCMG. Gemeint ist hier zum Beispiel ein ORACLE Datenbank-Server oder das Knowhow einer Web-Agentur, die für ThyssenKrupp Stahl Frontend-Oberflächen mit ASP 3.0 entwirft.

Für Datenpflege und routinemäßige Reports - etwa zur Vorbereitung der so genannten Filtersitzungen, in denen diverse Gremien Ideen nach unterschiedlichen Kriterien selektieren - sind drei Sachbearbeiter zuständig. Die passende Architektur hierfür: das Client-Server-Modell. Für die Ideeneingabe und Statusbeobachtung der Mitarbeiter hingegen boten sich Web Frontends an. Das Intranet ist ein ideales Eingabemedium, zu dem die meisten Mitarbeiter einen einfachen und unbürokratischen Zugang haben.
„Beide Modelle galt es, geschickt zu vereinen, wobei die Business-Logik nicht etwa doppelt, sondern im Hinblick auf Wartungsfreundlichkeit und einfache Modifizierbarkeit der Lösung nur einmal für beide Client-Sorten gekapselt ist. Das sprach für Microsoft .NET als technologische Plattform“, erläutert Stephan Fenske. Hinzu kommt, dass Live-Projekte für LogicaCMG ein probater Weg beim gezielten Aufbau von praxisbewährtem Technologie-Knowhow sind. Den ThyssenKrupp-Auftrag nahm das Team um Stephan Fenske daher als willkommene Gelegenheit für ein erstes großes .NET Referenzprojekt.

Abbildung 1: Offene Architektur
Abbildung 1: Offene Architektur


Die .NET-basierte Lösung für optimales Innovationsmanagement ist auch in anderen Unternehmen einsetzbar.

Automatisierte Bearbeitung sorgt für optimalen Workflow
Zum Konzept der Lösung gehört auch die zentrale Speicherung, nicht nur sämtlicher Ideenvorschläge, sondern auch aller zugehörigen Dokumente und assoziierten Aktivitäten, die sich im Laufe des Auswahl- und Bewertungsprozesses ansammeln. Das alles zielt auf einen optimalen Workflow, der zudem von einer ereignisgesteuerten Wiedervorlage unterstützt wird. Solche Ereignisse können zum Beispiel Sitzungsergebnisse oder das Eintreffen externer Gutachten sein. Die weitere Bearbeitung der betreffenden Idee - das Wer, Wann und Wie - wird demnach automatisch initiiert. Und sollte der zuständige Mitarbeiter - beispielsweise wegen Urlaubs - nicht rechtzeitig verfügbar sein, lässt sich in der Wiedervorlage auch hinterlegen, zu wem der Vorgang alternativ umgeleitet werden soll.

Zur Unterstützung der Filter-Meetings, die in unterschiedlicher Besetzung eine Vor-, Grob-, und Feinauswahl der eingehenden Innovationsideen vornehmen, ermöglicht das System den Ausdruck von Tischvorlagen sowie den Im- und Export von Excel-Arbeitsmappen. Während der Sitzungen können in diesen Mappen - die dafür mit entsprechender Funktionalität ausgestattet sind - Ideen komfortabel bearbeitet und zum Beispiel zu Gruppen zusammengefasst werden. Die Änderungen werden nach dem Meeting automatisch in den Datenpool zurückgespeist.

Abbildung 2: Reporting per Mausklick
Abbildung 2: Reporting per Mausklick


Das Innovationsmenegement bei ThyssenKrupp Stahl deckt den gesamten Lebenszyklus von Ideen ab und optmiert den Workflow der Evaluierungsprozesse.


4. Gleicher Quellcode für Clients und WEB Frontends

Hat es eine Idee bis zum Feinfilter geschafft, erhält sie bereits ein eigenes Budget, zum Beispiel für externe Gutachten. Entsprechende Ausgabenbuchungen stellt die Lösung als XML-Files zur Verfügung. Sie können somit ohne manuellen Eingriff an ein weiterverarbeitendes System, etwa an eine SAP-Komponente, übergeben werden.

LogicaCMG liefert mit ihren Lösungen auch deren Source Code aus, der im Falle ThyssenKrupp in C# geschrieben ist. „Das gibt den Kunden die Freiheit, Modifikationen oder Erweiterungen gegebenenfalls selbst vorzunehmen“, begründet Stephan Fenske. Bei den Web Clients für das Innovationsprojekt herrschte eine klare Arbeitsteilung: Für alles inhaltliche war LogicaCMG verantwortlich und für die CI-konforme Oberfläche eine externe Web-Agentur, wo vorzugsweise mit ASP 3.0 gearbeitet wird. Dennoch basieren die Web Services, welche die ASP 3.0-Frontends mit der erforderlichen Funktionalität versorgen, auf dem gleichen Quellcode wie die Clients. „Das hätte mit einer reinen ASP Lösung so nicht funktioniert. Hier haben wir einen ASP.NET Connector dazwischen geschaltet“, sagt Stephan Fenske und lobt zugleich die hohe Wiederverwendbarkeit von Komponenten als einen der großen Vorzüge von .NET.


5. Nutzen der Lösung

Mehr Ideen fließen ein, keine geht verloren
„Die Web Frontends senken die Zugangsschwelle für die Mitarbeiter. Mehr Ideen fließen in den Innovationsprozess des Unternehmens ein“, freut sich Dr. Hans-Joachim Krautwald. Via Intranet können die Mitarbeiter zudem jederzeit den Status der von ihnen vorgeschlagenen Ideen verfolgen – die beste Motivation für weitere Vorschläge.

Optimaler Workflow
Die eigenständige Vorschlagseingabe via Web entlastet aber auch die Sachbearbeiter von zeitraubender manueller Eingabe telefonisch oder auf Papier eingehender Vorschläge. Diverse Report- und Druckfunktionen reduzieren außerdem den Aufwand bei der Zusammenstellung der erforderlichen Materialien für die Filter-Meetings, die ihrerseits von der optimalen Vorbereitung profitieren. Ergebnis: Ideen können schneller bearbeitet und entsprechend schneller in Produkt- oder Prozessinnovation umgesetzt werden. Trotz gestiegener Vorschlagszahl werden keine neuen Mitarbeiter benötigt.

Offen für andere Einsätze
Dank strikter Trennung von Geschäftslogik und Präsentationsschicht ließe sich das Erscheinungsbild der Frontends ohne großen Aufwand ändern und zum Beispiel an die Corporate Identity anderer Unternehmen anpassen. Dies muss nicht mit ASP 3.0, sondern könnte ebenso gut mit ASP.NET geschehen. Ähnliches gilt für die zugrunde liegende Datenbank, von der die Geschäftslogik weitgehend unabhängig ist. Weil die Architektur zudem an keiner Stelle auf Anwendungen in der Stahlbranche festgelegt ist, plant LogicaCMG, auch andere Unternehmen mit der Lösung für ein optimiertes Innovationsmanagement zu unterstützen.


Betreiber der Lösung

ThyssenKrupp Stahl AG
Hans-Joachim Krautwald, Hauptbereichsleiter Direktionsbereich Verbesserungsprozesse
Branche: Metallerzeugnisse, Rohstahlerzeugung
Unternehmensgrösse: GrossunternehmenThyssenKrupp Stahl AG

Lösungspartner

Stephan Fenske, Projektleiter
LogicaCMG

Autoren der Fallstudie

Microsoft Deutschland GmbH
Microsoft Deutschland GmbH

19. Juli 2003
Microsoft Deutschland GmbH

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https://www.experience-online.ch/de/9-case-study/1791-ms-thyssen-logicacmg
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