Hero AG: Inter Company Supply Chain Hub

27. Juli 2006



Die Hero ist eine internationale Unternehmensgruppe für Markennahrungsmittel. Bisher wurden die meisten Produkte in den Ländergesellschaften nur für den jeweiligen Markt hergestellt. Für die Herstellung und den Vertrieb von neuen Produkten, wie das Lifestyle-Produkt Fruit2Day, werden in jüngster Zeit neue Wege eingeschlagen: Fruit2Day ist ein Frischeprodukt und wird nur an einem Standort produziert. Über eine straff organisierte Lieferkette wird es an die Länderorganisationen ausgeliefert. Um diesen Prozess optimal zu unterstützen und jederzeit unter Kontrolle zu wissen, wurde für Hero durch Ramco Systems der Inter Company Supply Chain Hub entwickelt und in Betrieb genommen.


1. Das Unternehmen

Hero ist in Europa Marktführer bei Konfitüre und Marmeladen und hält starke Positionen bei Säuglingsnahrung, Getreideriegel und Backdekorationen.
 
Hintergrund, Branche, Produkt und Zielgruppe
Hero ist eine traditionsreiche, seit 1886 im schweizerischen Lenzburg beheimatete Unternehmung. Als Holdinggesellschaft hält sie Mehrheitsbeteiligungen an 15 Ländergesellschaften. Diese sind dezentral organisiert und operieren weitgehend selbständig. Produkte werden nach länderspezifischen Rezepten und Rohstoffen (z.B. Schwartau Marmelade mit Erdbeeren aus Schleswig-Holstein) für den nationalen Markt hergestellt. Gründe für die unterschiedlichen Rezepturen sind auch die verschiedenen Geschmäcker in den Ländern, z.B. ist für die meisten Deutschen eine italienische Marmelade zu süss.

Neben den finanziellen Aufgaben der Holding sucht Hero aktiv nach möglichen Synergien zwischen den angeschlossenen Gesellschaften bei Produkten, deren Herstellung und Verpackung.

Hero positioniert sich heute als Markennahrungsmittelproduzent mit den Kernbereichen Fruchtverarbeitung (38 % der Verkäufe von 2004), Säuglingsnahrung (17 %), Getreideprodukte (8 %) und Backdekorationen (23 %). Im Jahr 2004 erzielte die Gruppe einen Umsatz von ca. 1.4 Mrd. CHF mit über 3’300 Angestellten.

Fruit2Day ist das erste Ländergesellschaften übergreifende Produkt, das Hero als Konzern zentral eingeführt und auf den Markt gebracht hat. Für das Projekt rund um Fruit2Day wurden die Kapazitäten zentral geplant und die Investitionen durch die Hero Holdinggesellschaft getätigt. Die Rezepte der vier Geschmacksrichtungen sind bei Fruit2Day für alle Länder gleich. Fruit2Day ist ein Lifestyle-Produkt. Zielgruppe sind primär weibliche Personen im Alter zwischen 30 und 45 Jahren, werktätige und Mütter. Letztere deshalb, weil sie beim Kauf der Lebensmittel den Entscheid fällen, was in der Familie konsumiert wird.

Unternehmensvision


Wir sind ein internationaler Lebensmittelkonzern, fokussiert auf die Herstellung von Markenprodukten für den Einzelhandel. Hochwertige Produkte und qualifizierte Angestellte sichern unsere ausgezeichnete Marktposition und das nachhaltige Wachstum in unseren Kernbereichen. Unsere finanzielle Stabilität macht uns zu einem zuverlässigen Partner für Angestellte, Kunden und Investoren.

 


2. Der Auslöser des Projekts

Ausgangslage und Anstoss für das Projekt
Fruit2Day ist ein Getränk aus einer Mischung von Fruchtsäften, Fruchtstückchen und Fruchtpüree. Es ist frei von Konservierungsmitteln und benötigt daher eine durchgängige Kühlungskette. Es ist nur 47 Tage haltbar und von dieser Zeit müssen dem Einzelhandel 26 Tage zugestanden werden. Die relativ kurze Haltbarkeit war der entscheidende Faktor für die Organisation der Supply Chain zwischen Produktion und Auslieferung an den Handel: Alle Prozesse rund um Produktion, Lagerung und Lieferung müssen stets kontrolliert und im vorgesehenen Takt ablaufen.

Vorstellung der Geschäftspartner
Hero Ländergesellschaften
Fruit2Day wurde durch Hero Nederland entwickelt und auf dem holländischen Markt zwei Jahre vor dem internationalen Vertrieb angeboten. Zurzeit wird Fruit2Day über Hero Ländergesellschaften auf den Märkten Niederlande, Deutschland, Grossbritannien und Schweiz vertrieben. Historisch bedingt und durch die dezentrale Organisation der einzelnen Ländergesellschaften werden zur Steuerung der betrieblichen Abläufe ERP-Systeme von verschiedenen Herstellern eingesetzt. Z.B. wird in Deutschland bei den Schwartau Werken SAP R/3 genutzt, Hero Nederland hingegen nutzt ein System von Baan.

Distributionspartner
Für jedes Land, in dem Fruit2Day vertrieben wird, wurde für die gesamte Marktorganisation ein einziger Distributionspartner gewählt. Dieser bewirtschaftet den Fruit2Day Bestand und führt je nach Land auch die Kommissionierung und Verteilung an den Einzelhandel durch. Zum Beispiel wurde für die Schweiz die Firma Galliker gewählt, die auch Distributionspartner von Coop ist. Coop erhält die kommissionierten Fruit2Day Gebinde direkt durch Galliker an die Filialen geliefert.

Institut für Business Engineering IBE der FHNW
Das Institut für Business Engineering IBE ist ein Kompetenzzentrum der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) und ist in den Bereichen Supply Chain Management, Logistik-Systeme, Management von Kooperationsnetzwerken und Geschäftsprozessgestaltung tätig. Im Rahmen von Dienstleistungsaufträgen gestaltet das Institut mit seinen Kunden organisatorische und technische Prozesse.

Ramco Systems
Gegründet im Jahr 1989, ist Ramco Systems heute der weltweit führende indische Anbieter von Standard-Anwendungssoftware und E-Business-Softwarelösungen, die Prozesse in Unternehmen und über Unternehmensgrenzen hinweg integrieren. Mit seinen mehr als vierzehn Niederlassungen in sieben Ländern bietet Ramco Systems über 1’000 Kunden in mehr als zwanzig Ländern Unternehmenslösungen und kosteneffektive Offshore-Anwendungsentwicklung.


3. Inter Company Supply Chain Hub

Die länderübergreifenden Prozesse für die Absatz-, Produktions- und Bestandsplanung zu Fruit2Day, werden wesentlich durch die für Hero entwickelte Anwendung „Inter Company Supply Chain Hub“ unterstützt. Im Folgenden wird die auf Basis von Ramco Virtual Works entwickelte und betriebene Lösung aus der Geschäftssicht, der Prozesssicht, der Anwendungssicht und der technischen Sicht betrachtet.

Geschäftssicht und Ziele
Ausgangspunkt des Projektes war die Suche nach einem realisierbaren Konzept, das eine länderübergreifende Supply Chain für ein gekühltes Frischprodukt ermöglicht und dabei Versorgungssicherheit und Effizienz gewährleistet. Das Konzept wurde in Zusammenarbeit mit Studierenden der FHNW unter der Leitung von Prof. Werner Lüthy entwickelt.

[Logistik] Das Konzept sieht vor, dass die frisch hergestellten Fruit2Day Chargen von den Produktionslinien direkt in Lastwagen geladen und unmittelbar zu den Verteilzentren der Distributionspartner in den Marktorganisationen transportiert werden. Aus dem Bestand dieser Verteilzentren kann der Einzelhandel im entsprechenden Land innerhalb von 24 Stunden beliefert werden. Am Produktionsstandort selbst ist kein Lager für Fertigprodukte vorgesehen. Es gibt in der zu betreuenden Lieferkette somit nur einen Lagerpunkt zwischen Produktion und Lieferung an den Einzelhandel.

Die Supply Chain wird dabei von den Hero Ländergesellschaften und der Fruit2Day Produktion mittels regelmässiger Webkonferenzen und Datenaustausch geplant und überwacht.

Das Business Szenario in Abb. 1 zeigt die beteiligten Organisationen mit den involvierten Geschäftseinheiten und den wichtigsten Prozessen.

Abb. 1: Produktion und Vertriebsprozesse zu Fruit2Day


Abb. 1: Produktion und Vertriebsprozesse zu Fruit2Day


Prozesssicht
Der Inter Company Supply Chain Hub erhält täglich Verkaufspläne, Lagerbestandszahlen und Verkaufszahlen aus den angeschlossenen ERP-Systemen der Ländergesellschaften. Die Wochenplanungen für Verkauf und Promotionen werden wöchentlich und die Monatsplanung einmal pro Monat von den Sales Managern der Ländergesellschaften aktualisiert. Die empfangenen Plandaten werden einmal pro Woche durch den Inter Company Supply Chain Hub zu einer einzigen Verkaufsplanung konsolidiert.

Mit der konsolidierten Planung kann der Supply Chain Planner nun überprüfen, ob für den Zeitraum über 13 Wochen Produktions- und Lieferengpässe auftreten. Tritt ein Engpass auf, hat er mehrere Möglichkeiten:

Er hat die Möglichkeit, Promotionen der Ländergesellschaften, die für den gleichen Zeitpunkt geplant sind, in Absprache mit den Sales Managern zu verschieben oder, zweitens, mit den Beständen zu variieren, wenn es die Mengen erlauben. Er kann z.B. eine Woche vorher die Bestände in den Lagern der Distributionspartner erhöhen, um sie während der Promotion dann auf das definierte Minimum absinken zu lassen.

Der Planer hat zudem die Möglichkeit, die Kapazitäten für die Produktion anzupassen, um Engpässe zu bereinigen. D.h. innerhalb der Lösung kann er das Schichtmodell, den Kalender etc. für die Produktion verändern.

Abb. 2: Prozess Abstimmung und Freigabe Verkaufsplan



Abb. 2: Prozess Abstimmung und Freigabe Verkaufsplan

Die Bestandsreichweite darf nie unter eine Woche fallen und nicht über drei Wochen steigen. Innerhalb dieser Bandbreite liegt das Optimum zwischen Lieferbereitschaft und Kosten. Diese Kennzahlen werden pro Ländergesellschaft und pro Produktvariante erhoben und in die Berechnung der neuen Endbestände mit einbezogen. Die entsprechenden Zielgrössen können im System für jede Variante vorgegeben werden.

Das System unterstützt den Supply Chain Planner dabei insoweit, dass alle Informationen zu Produktaufbau und Zeiten, die für die Herstellung einer Charge benötigt werden, im System hinterlegt sind und automatisch in die Berechnung der Produktionsbelegung mit einbezogen werden. Mit vier Fruit2Day Sorten, verschiedenen Verpackungsgrössen (Einzelflasche, Duopack oder Sixpack) und der länderspezifischen Etikettierung sind zurzeit ca. 80 Produktvarianten möglich.

Lässt sich der Engpass jedoch nicht durch die Veränderung der Bestandsreichweite, durch Verschieben von Promotionen oder durch Kapazitätserhöhungen beheben, kann der Supply Chain Planner anlässlich einer Webkonferenz eine neue Verkaufsplanung mit den Sales Managern aushandeln. Dabei liegen die Moderation und der Entscheid alleine beim Supply Chain Planner, er bestimmt, welche Länderorganisation schlussendlich welche Menge geliefert bekommt. Der in Kooperation mit den Sales Managern konsolidierte Verkaufsplan wird so zum Plan für die Ländergesellschaften.

Der Supply Chain Planner verwendet die freigegebenen Verkaufsplanungen, um die tagesgenauen Pläne für Produktion und Lieferung mit dem lokalen PPS-System zu erstellen. Ziel der Tagesplanung ist es, die für die nächste Woche berechneten Endbestände zu erreichen. Die Tagesplanung wird jeweils am Donnerstag und Freitag für die nächste Woche erstellt.

Anwendungssicht
Der Import und Export [Datenaustausch] von Bestands-, Verkaufs- und Planungsdaten zwischen dem Inter Company Supply Chain Hub, den ERP-Systemen der Hero Ländergesellschaften und dem PPS-System am Produktionsstandort wird via File Transfer Protokoll (FTP) ausgeführt. Die Daten werden in Form von strukturierten Textdateien übermittelt.

Die Anwendung verwendet zur Berechnung der Produktionsplanung Informationen über den Aufbau der Produkte, über die Produktionskapazität und die gewünschten Bestandsreichweiten.

Der Produktaufbau von Fruit2Day ist über eine hierarchische Struktur mit vier Stufen im System beschrieben: zuoberst steht das Produktprogramm. Auf der zweiten Stufe das Basisprodukt, die vier Geschmacksrichtungen von Fruit2Day. Es sind dazu Daten hinterlegt wie: Welche Geschmacksrichtung belegt für die Herstellung eines Loses eine Produktionslinie für welche Zeit, wie gross ist ein Los etc. Auf der dritten Stufe wird erfasst, welche Etikettierung ein Basisprodukt erhalten kann (die pro Ländergesellschaft anders sein muss). Auf der vierten Stufe wird festgehalten, in welchen Einheiten das Produkt verpackt werden kann (Einzelflasche, Duopack, Sixpack).

Im System sind auch Regeln hinterlegt, wie z.B. die gewünschten Lagereckdaten (Sicherheitsbestand, Minimum- und Maximumbestand in Tagen), die zulässige Lagerdauer eines bestimmten Produkts oder die Umrüst- und Reinigungszeiten einer Produktionslinie, die bei jeder Produktabfolge auftritt.

Die im Inter Company Supply Chain Hub implementierten Hierarchien und Regeln wurden bewusst generisch entwickelt, um sie auch für die Produktionsplanungen anderer Produkte einsetzten zu können.

Abb. 3: Anwendungsübersicht und Integrationsschema



Abb. 3: Anwendungsübersicht und Integrationsschema


Technische Sicht
Die Server für den Inter Company Supply Chain Hub werden am Produktionsstandort betrieben. Der Zugriff durch die Hero Ländergesellschaften erfolgt über das Internet. Ebenso werden die Verkaufsplanungen und die Bestandsdaten via Internet übermittelt.

Da auf die Server vom Internet und vom Intranet aus zugegriffen werden muss, sind sie in der „Demilitarized Zone“ (DMZ) angeschlossen. Die DMZ ist eine Netzwerkzone, in der Systeme über die Firewall vom Internet aus für ausgewählte Verbindungen angesprochen werden können. In diesem Fall ist die DMZ für den Webzugriff und für den Datentransfer via FTP freigegeben. Zugriffsversuche aus dem Internet in das Intranet werden durch die Firewall abgeblockt.

Abb. 4: Anwendungsübersicht und Integrationsschema


Abb. 4: Anwendungsübersicht und Integrationsschema

Tab. 1: Inter Company Supply Chain Server Hard- und Software

Tab. 1: Inter Company Supply Chain Server Hard- und Software


Die für den Inter Company Supply Chain Hub verwendeten Server sind aus Gründen der Netzwerksicherheit und der Verwendung ausschliesslich für diese Anwendung vorgesehen. Die Server werden im Moment von ca. zehn Personen genutzt, im Endzustand werden es ca. 40 Personen sein.

Für den Zeitpunkt, zu dem der Hub von weiteren Produktlinien der Hero Gruppe genutzt werden soll, ist geplant, die Anwendung samt Server von den Niederlanden in die Schweiz zu verschieben.

Das Test- und Schulungssystem dient zum Prüfen von Softwareänderungen und wird bei der Ausbildung der Sales Manager eingesetzt. Vor Testläufen und Schulungen werden jeweils die aktuellen Informationen aus der Datenbank des produktiven Systems in die Datenbank des Test- und Schulungssystems kopiert.


4. Projektabwicklung und Betrieb

Projektmanagement und Change Management
Die Softwareentwicklung wurde nach der strukturierten Methode von Ramco Systems durchgeführt. Das Vorgehen wird dabei durch Ramco Virtual Works vorgegeben. Die Spezifikation erfolgt dabei über sechs Ebenen hinweg (vgl. Abb. 5).

Auf Geschäftsprozessebene werden die von der Lösung abzudeckenden Prozesse festgelegt. Diese werden zu einer Abfolge von Funktionen und Ereignissen detailliert. Eine Funktion entspricht dem Verantwortungsbereich eines Aufgabenträgers innerhalb des Prozesses. Im modell- und prozessorientierten Ansatz von Ramco Virtual Works ist eine Funktion zudem gleichbedeutend mit einer Softwarekomponente. Somit lassen sich vorgefertigte Bausteine erprobter Prozessketten einfach neu kombinieren und konfigurieren oder auch durch neue Komponenten ergänzen.

Komponenten können umfangreich an die spezifischen Anforderungen des Unternehmens angepasst werden. Sie werden dazu ihrerseits in eine Abfolge von Aktivitäten zerlegt. Aktivitäten bestehen aus einer oder mehreren aufeinander folgenden Masken, deren Abarbeitungsreihenfolge durch den User-Interface-Ablauf spezifiziert wird. Die Interaktionselemente dieser Masken repräsentieren so genannte Tasks. Die Vorbedingungen und Auswirkungen von Tasks werden durch Geschäftsregeln festgelegt. Auf den oberen fünf Spezifikationsebenen werden die Vorgaben zu Prozessen, Funktionen, Aktivitäten etc. einem vorgegebenen Modell entsprechend in einem Repository hinterlegt.

Im vorliegenden Fallbeispiel wurden zunächst die Prozessmodelle mit speziellen Microsoft Visio Vorlagen bis auf Ebene Aktivitätsablauf erstellt und in der Folge in Ramco Virtual Works importiert. Beim Importieren wurden die Ablaufdiagramme bezüglich der Systematik validiert. Anschliessend wurden mit Ramco Virtual Works die weiteren Ebenen gemäss Abb. 5 formuliert. Lediglich bei den Geschäftsregeln erfolgt ohnehin eine textuelle Spezifikation, da hier erfahrungsgemäss immer wieder Anforderungen auftreten, die sich einem schematischen Ansatz entziehen und daher natürlichsprachig beschrieben werden sollten.

Abb. 5: Spezifikationsebenen bei Ramco Virtual Works



Abb. 5: Spezifikationsebenen bei Ramco Virtual Works


Diese Methodik ermöglicht es, jederzeit aus dem Repository einen Prototypen abzuleiten, der bereits das vollständige Look & Feel des späteren Systems aufweist – inklusive der Möglichkeit, durch Menüs und Masken zu navigieren. Die Spezifikation lässt sich somit sehr detailliert von den späteren Nutzern des Systems evaluieren und Änderungswünsche können entgegengenommen werden, noch bevor eine einzige Zeile Code programmiert wurde. Lediglich der Zugriff auf Daten und die Funktionalität der Tasks ist in den Prototypen noch nicht gegeben.
Die genannten Spezifikationen bilden als „Blue Print“ die Grundlage für Generierung und Test von ausführbarem Programmcode, der jeweils in der Software-Factory von Ramco Systems in Chennai (Indien) erstellt wird. Aus den Daten des Repository kann ein Grossteil des Codes automatisch generiert werden. Lediglich für die natürlichsprachig spezifizierten Teile ist manuelle Programmierarbeit erforderlich. Diese „industrialisierte“ Softwareerstellung führt zu niedrigen Kosten bei der Entwicklung und bei späteren Anpassungen. Zugleich gewährleistet sie hohe Sicherheit und Qualität und beschleunigt das Vorgehen erheblich.

Partnerwahl
Bei der Ausschreibung der Softwarelösung fiel die Wahl auf Ramco Systems, die in ihrem Angebot eine massgeschneiderte Lösung offerierten, die genau die Funktionen enthielt, die für den InterCompany Supply Chain Hub benötigt wurden. Preislich lag die Offerte von Ramco Systems bei einem Viertel der anderen Anbieter, die mit mächtigen Supply Chain Lösungen den Bedarf von Hero abdecken wollten. Von diesen ERP-Systemen wäre nur ein Bruchteil der Funktionen benötigt worden. Zusätzlich zeigte Ramco Systems im Angebot auf, wie die bestehenden EPR Systeme in den Ländergesellschaften mit geringem Aufwand in die Lösung eingebunden werden könnten.

Entstehung und Roll-out der Software
Die vorgestellte Lösung ist ein Mixtur aus bestehenden Modulen der Ramco Virtual Works Library und der massgeschneiderten Neuentwicklung für die Planung. Für den Inter Company Supply Chain Hub wurden die zentralen Module Forcast-Planung und Lagerplanung kundenspezifisch entwickelt. Sie wurden ergänzt durch Standardmodule wie Kalender, Kapazitätsmanagement und Berechtigungssystem.

Neben der Installation der Anwendung auf Serversystemen benötigt die Lösung auf dem Client nur den Microsoft Internet Explorer. Zur Anzeige von Diagrammen und Tabellen im Internet Explorer wird ein ActiveX Control von Fusion Chart verwendet. Dieses wird auf einem Client beim ersten Anmelden eines Nutzers am Inter Company Supply Chain Hub über das Netzwerk installiert.

Laufender Unterhalt
Ramco System hat für die Überwachung der Schnittstellen des Inter Company Supply Chain Hub ein eigenes Modul entwickelt. Das Modul Interface Management erlaubt die vollständige Kontrolle des Datentransfers. Es protokolliert, von welchem angeschlossenen EPR-System Daten empfangen wurden und an welches System Daten gesendet wurden. Die dabei auftretenden Fehler werden ebenfalls protokolliert.
In der Einführungsphase des Systems benötigte ein Mitarbeitender der Informatik ca. einen Arbeitstag zur Überprüfung des laufenden Betriebs und zur Kontrolle der Qualität der empfangenen Daten. Der Aufwand hat sich unterdessen auf das Nachvollziehen allfälliger Fehler reduziert.


5. Erfahrungen

Nutzerakzeptanz
Die Nutzer wurden bereits beim Prototyping bezüglich der Bedienung der Oberfläche mit einbezogen. Die Akzeptanz der Nutzer konnte mit diesem Vorgehen frühzeitig gesichert werden.

Anfänglich war die Performance des Netzwerkes am Produktionsstandort für das Arbeiten mit dem System ungenügend. Nachdem jedoch alle Serversysteme des Inter Company Supply Chain Hub in der DMZ angeschlossen wurden, verbesserte sich die Geschwindigkeit des Systems deutlich. Als Ursache wurde das Firewall System identifiziert, dieses bremste den Netzwerkverkehr zwischen den Serversystemen stark ab.

Zielerreichung und bewirkte Veränderungen
Der Inter Company Supply Chain Hub unterstützt den Supply Chain Planner und die beteiligten Sales Manager in ihrer täglichen Arbeit.

Der Hub wurde zur Drehscheibe eines sich selbstregulierenden Systems: Die Produktion hat ein Produktionsbudget und das Interesse, dass alles, was produziert wird, auch verkauft werden kann. Im Gegensatz dazu haben die Sales Manager der Länderorganisationen ein Verkaufsbudget und sind interessiert daran, dass sie alles, was sie verkaufen sollen, auch geliefert bekommen.

Investitionen und Kennzahlen
Für die Erstellung der IT-Lösung hat Hero 450'000 CHF ausgegeben. Zusätzlich wurden durch Hero ca. 150 Manntage in den Projektphasen Solutioning und Rollout investiert.

Die geforderten Werte für die Produktlinien konnten bisher mit Unterstützung des Inter Company Supply Chain Hub jederzeit erreicht werden. Für die operative Steuerung liefert das System die Kennzahl „Bestandsreichweite“ für jede der ca. 80 Produktvarianten. Zudem werden folgende Kennzahlen mit dem System erhoben:

  • Die Ausfallkosten durch abgelaufene Haltbarkeit (soll unter 2 % liegen)
  • Die Verfügbarkeit bzw. Lieferzeit (soll einen Grad von 95 % aufweisen)
  • Die Genauigkeit der einzelnen Verkaufsplanungen im Vergleich zum tatsächlichen Absatz (Abweichung kleiner als 20 %)

6. Erfolgsfaktoren

Spezialitäten der Lösung
Mit Ramco Virtual Works bekommt der Kunde einen Mix aus Standard- und Individual-Komponenten. Die Funktionen des Inter Company Supply Chain Hubs wurden 1:1 auf die Prozesse von Hero zugeschnitten.
Weiter benötigt die Lösung auf den Clients nur den Microsoft Internet Explorer, der bei allen aktuellen Versionen von Microsoft Windows bereits installiert ist. Die Betriebs- und Wartungskosten für Clients konnten damit bei dem international genutzten Inter Company Supply Chain Hub praktisch vernachlässigt werden.

Reflexion der „Prozessexzellenz“
Die Exzellenz der Lösung zeigt sich darin, dass es gelingt, ein Frischeprodukt von einem einzigen Produktionsstandort aus in mehrere Länder Europas zu verteilen. Dank einer bedarfsgesteuerten Logistik mit lediglich einer Lagerstufe zwischen Produktion und Handel werden die konkurrierenden Grössen Produktionskapazität, Warenverfügbarkeit und Ausfallkosten optimal ausbalanciert, was sich unmittelbar auf den Ertrag des Produkts auswirkt.

Lessons Learned
Werden Prozesse mit einer Business Software umgesetzt, die standardmässig in der Anwendung nicht abgebildet sind, ist der Betreiber weitgehend selber für die Korrektheit der neuen Prozesse verantwortlich, d.h. dass man selber mit entsprechendem Wissen z.B. bezüglich Supply Chain an der Gestaltung der Prozesse mitwirken muss.
Hero sieht sich zudem in der Annahme bestätigt, dass man dann Erfolg hat, wenn die IT Mittel zum Zweck ist und die Leute, die die Prozesse oder die IT definieren, nicht dem Business vorauseilen.

Unerwartet war, dass durch zusätzliche Anforderungen an die Lösung, z.B. neue Funktionen zur Verbesserung der grafischen Ausgabe von Daten, die Lösung immer wieder aufs Neue getestet werden musste. Die Einführung der Verkaufs- und die Bestandsplanung verzögerten sich dadurch um etwa zwei Monate.

Als eine besondere Erfahrung stellte sich für Hero die Zusammenarbeit mit Ramco Systems heraus: „Einen Softwareanbieter zu haben, der mir zuhört, der nicht von vornherein an alles besser weiss!“, so Herr Holm.


Betreiber der Lösung

Hero Schweiz AG
Hanno Holm, Mitglied der Geschäftsleitung
Branche: Herstellung Konsumgüter, Lebensmittel
Unternehmensgrösse: GrossunternehmenHero Schweiz AG

Lösungspartner

Franz Josef Weiper, Solution Management, Supply Chain Planning
Ramco Systems Ltd.

Autoren der Fallstudie

Michael H. Quade
Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW

27. Juli 2006
Quade; Michael (2006): Fallstudie Hero AG: Inter Company Supply Chain Hub; in: Quade; Michael (Hrsg.; Prozessexzellenz mit Business Software; München; Wien: Hanser Verlag; 2006; S. 219-232.
PDF zur Fallstudie, wie diese in der eXperience Buchreihe erschienen ist.
1922
hero-ramco
https://www.experience-online.ch/de/9-case-study/1922-hero-ramco
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