Wyser AG: Geschäftsübergreifende Prozessintegration

30. August 2006



Die Wyser AG in Bern liefert und repariert Haushaltgeräte für Küche und Waschküche. Im Rahmen des im Folgenden beschriebenen Projekts erfolgte die unternehmensübergreifende Integration mit der Immobilienverwaltung graf.riedi AG, einem wichtigen Kunden der Wyser AG. Die Abwicklung des Auftragsprozesses zwischen der Wyser AG und der graf.riedi AG läuft über das E-Business-Netzwerk VIAM ab. Dies umfasst den Prozess von der Übertragung der Störungsmeldung bis hin zur Übermittlung der Rechnung durch die Wyser AG.


1. Das Unternehmen

Hintergrund, Branche, Produkt und Zielgruppe
Die Wyser AG wurde im Jahr 1962 vom Vater zweier der heutigen drei Geschäftsleiter gegründet. Sie erwirtschaftet mit 18 Mitarbeitenden einen Umsatz von circa 11.5 Millionen CHF. Die Kultur des Unternehmens ist die eines Familienbetriebs mit persönlichem Umgang und flachen Hierarchien.

Die Wyser AG liefert und repariert Grosshaushaltsgeräte (Kühlschränke, Geschirrspülmaschinen, Waschmaschinen, Wäschetrockner, etc.). Seit den Sechzigerjahren vertreibt sie das gesamte Miele-Sortiment. Die Kunden gliedern sich in die folgenden vier Bereiche:

  • Fachhandel (Sanitärinstallateure, Elektroinstallateure, Küchenbauer, Grossisten im Sanitärbereich, etc.): Hier fungiert die Wyser AG als Zwischenhändler für Miele Haushaltgeräte.
  • Endverbraucher (Besitzer von Eigentumswohnungen, Häusern, etc.): Die Wyser AG beliefert diese Kunden direkt und übernimmt den Unterhalt der Geräte.
  • Immobilienverwaltungen: Auch hier werden die Geräte geliefert bzw. unterhalten (Reparaturen, Ersatzteile), wobei nicht nur das Miele-Sortiment angeboten wird, sondern sämtliche Geräte von A wie AEG bis Z wie Zug. Es wird ein Komplettservice unabhängig vom Hersteller angeboten.
  • Objektbereich: Architekten, Investoren, Bauherren und andere Entscheidungsträger werden speziell im Neubau- und Sanierungsbereich durch die Wyser AG in Form von Beratung, Planung und Verkauf betreut.


Durch die konsequente Ausrichtung auf die Marke Miele (die Wyser AG ist nach der Firma Fust AG der zweitgrösste Miele-Kunde in der Schweiz) besteht für die Wyser AG eine Abhängigkeit von diesem Lieferanten. Die gesamte Branche befindet sich in einem ausgeprägten Verdrängungswettbewerb. Andere Hersteller, aber auch der Fachhandel, der für die Wyser AG sowohl Kunde als auch Mitbewerber ist, prägen diese Konkurrenzsituation. Der Markt ist weitestgehend gesättigt, da der grösste Teil der Haushalte bereits über die angebotenen Haushaltsgeräte verfügt. Sowohl Wachstum als auch Konsolidierung wird in erster Linie über Verdrängung erreicht. Insbesondere um Wachstum zu generieren ist Wyser auf neue, innovative Produkte der Hersteller angewiesen.

Zu den grössten Mitbewerbern zählen die Firma Fust AG sowie die namhaften Produzenten von Haushaltgeräten, welche gesamtschweizerisch tätig sind (AEG, Bauknecht, Electrolux, Siemens, V-Zug). Media Markt ist bei den Grosshaushaltsgeräten („Weisswaren“) wenig erfolgreich und auch die Migros und Coop konnten in diesem Markt bis heute nicht richtig Fuss fassen.

Die Wyser AG bearbeitet und beliefert in erster Linie den Grossraum Bern. Vor allem während der jährlichen Publikumsmesse BEA in Bern werden auch Kontakte über die Kantonsgrenzen hinweg geknüpft und daraufhin Geräte dorthin ausgeliefert.
Das Sortiment der Wyser AG umfasst circa 2'000 verschiedene Modelltypen aller Hersteller sowie sehr viele Ersatzteile (allein bei Miele Geräten existieren circa 50'000 Ersatzteile). Der Kunde erwartet eine Vorort-Reparatur spätestens innerhalb von 48 Stunden.

Die im Folgenden beschriebene Prozessintegration bezieht sich auf den oben beschriebenen Bereich der Immobilienverwaltungen. Es handelt sich also um eine B2B-Integration.

Unternehmensvision
Die Firma bietet insbesondere im Bereich der Immobilienverwaltungen einen professionellen Gesamtservice rund um die Haushaltsgeräte unabhängig vom Hersteller an. Im Grossraum Bern ist die Firma bei ihren Kunden etabliert und für den professionellen Service geschätzt.

Stellenwert von Informatik und E-Business
Die Informatik hat für die Wyser AG einen hohen Stellenwert. Insgesamt hat die Wyser AG circa 1.5 Millionen CHF in die ICT investiert. Sämtliche Prozesse werden ICT-unterstützt abgewickelt. Hierdurch ergibt sich eine grosse Abhängigkeit von Hard- und Software, insbesondere vom Anbieter der ERP-Software (ABACUS Research AG). Die Entscheidung für ABACUS fiel im Jahre 1996.


2. Der Auslöser des Projekts

Ausgangslage und Anstoss für das Projekt
Auslöser des in dieser Fallstudie beschriebenen Projekts im Jahr 2004 war die Präsentation des Systems VIAM (Verfahren für integriertes Auftragsmanagement) durch die pragmaBau Treuhand AG (Entwickler) und die Immobilienverwaltung graf.riedi AG (VIAM-Anwender und ein wichtiger Kunde der Wyser AG). Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Schnittstelle, um den Auftragsprozess zwischen der ABACUS ERP-Software und dem E-Business-Netzwerk VIAM abzuwickeln. An VIAM waren vor allem Branchenlösungen angeschlossen. Für die Wyser AG war es entscheidend, dass die Anbindung von ABACUS möglich wurde. Wyser setzte sich daher dafür ein, dass die Firmen ABACUS und pragmaBAU über eine entsprechende Schnittstelle sprachen. Die Anbindung von ABACUS und VIAM wurde Ende Mai 2006 in Betrieb genommen. Die Koordination des Entwicklungs- und Einführungsprojekts übernahm die Zehnder Informatik GmbH.

Vorstellung der Geschäftspartner
Anbieter von Business Software
Die bei der Wyser AG eingesetzte Business Software stammt von der ABACUS Research AG (Kronbühl/St.Gallen), die seit 1985 auf dem Schweizer Markt betriebswirtschaftliche Standardsoftware anbietet. ABACUS hat circa 150 Mitarbeitende. Die Business-Software umfasst verschiedene Module, u.a.: Auftragsabwicklung, Fakturierung, Buchhaltung und Produktionsplanung- und Steuerung. Die Wyser AG setzt seit 1996 ABACUS-Software ein.

Service Portal Betreiber
Das E-Business-Netzwerk VIAM (Service Portal) wird von der Firma pragmaBAU Treuhand AG (Basel) betrieben. VIAM hat zum Ziel, die Lieferanten der Immobilienunternehmungen (Handwerker, Versorger, Versicherungen und Energie) auf einer virtuellen Plattform zusammen zu bringen. Dabei sollen Informationswege verkürzt und die Auftragsabwicklung vereinfacht werden. Die Abwicklung von Reparaturaufträgen und die Rechnungsstellung waren bislang durch einen unverhältnismässig hohen Verwaltungs- und Korrespondenzaufwand gekennzeichnet. Durch VIAM werden diese Prozesse automatisiert und durch die Verbindung der ERP-Systeme des Immobilienunternehmens und der Rechnungsteller erheblich vereinfacht. Weitere Informationen finden Sie unter www.viam.ch.

Implementierungspartner
Als Projektkoordinator fungierte die vor zehn Jahren gegründete Zehnder Informatik GmbH, ein ABACUS-Vertriebspartner in Matzingen, Thurgau. Die Firma besteht aus drei Mitarbeitenden und ist spezialisiert auf ABACUS-Beratung und -Programmierung in den Bereichen Auftragsbearbeitung, PPS und Logistik. Zehnder Informatik arbeitet mit einem Partner zusammen (Stefani & Partner AG), der auf den Bereich Rechnungswesen spezialisiert ist. Zusammen bilden sie den sechstgrössten ABACUS-Logo-Partner. Die Zusammenarbeit zwischen Wyser und Zehnder Informatik besteht seit 1996.

Geschäftspartner
Die graf.riedi AG ist eine grosse Immobilienverwaltung im Raum Bern und ein wichtiger Kunde der Wyser AG. Ziel der beiderseitigen VIAM-Integration war die Vereinfachung bei der Abwicklung von Kleinaufträgen (Serviceaufträge) zwischen der graf.riedi AG und der Wyser AG.


3. B2B-Integration zwischen Immobilienverwaltung und der Wyser AG als Servicelieferant

Geschäftssicht und Ziele
Für die vorliegende Fallstudie wird die B2B-Integration zwischen der Wyser AG und der Immobilienverwaltung graf.riedi AG dargestellt. Auf der Ebene der Geschäftssicht werden durch die graf.riedi AG in erster Linie Störungsmeldungen defekter Haushaltgeräte an die Wyser AG gesandt (diese machen circa 95 % aus, der Rest sind vorwiegend Offertanfragen) [Support]. Auf Grund dieser Störungsmeldungen begibt sich ein Kundendiensttechniker in die entsprechende Liegenschaft (Wohnung oder Gemeinschaftswaschküche) und repariert das Gerät. Bei Reparaturen von über 300.- CHF wird in der Regel die Immobilienverwaltung informiert. Häufig wünscht die Verwaltung in einem solchen Fall einen schriftlichen Kostenvoranschlag für die Reparatur bzw. eine Austauschofferte für ein neues Gerät.

Basierend auf den ausgeführten Arbeiten ergänzt der Kundendiensttechniker nach erfolgter Reparatur einen vorerstellten Arbeitsrapport. Dieser wird bei der Wyser AG intern durch Sachbearbeiter weiter verarbeitet. Die Rechnungsstellung erfolgt zurzeit zum einen elektronisch über VIAM an die graf.riedi AG; gleichzeitig wird aber aus rechtlichen Gründen noch eine Rechnung in Papierform verschickt. pragmaBAU ist daran, eine gesetzeskonforme rein elektronische Lösung mit VIAM zu entwickeln, so dass Wyser zukünftig entweder diese Variante oder diejenige von PayNet benutzen kann. PayNet (www.paynet.ch) unterstützt Firmen bei der mehrwertsteuerkonformen Abwicklung elektronischer Rechnungen über das PayNet-Netzwerk, wobei digitale Signaturen verwendet werden.

Da es sich bei den Serviceaufträgen um kleinere Auftragsvolumen handelt, lohnt sich hier die elektronische Abwicklung für die Wyser AG. Bei grösseren Volumina (Aufträge für Neugeräte) ist es auf Grund der auftragsvolumenabhängigen Gebührenstruktur von VIAM günstiger, diese auf herkömmlichem Weg abzuwickeln.

Das folgende Business Szenario zeigt die Beteiligten in ihren Rollen:

Abb. 1: Business Szenario mit den beteiligten Partner und den wichtigsten Prozessen


Abb. 1: Business Szenario mit den beteiligten Partner und den wichtigsten Prozessen


Prozesssicht
In der Prozesssicht wird der ausgewählte betriebliche Ablauf genauer dargestellt. Im Allgemeinen wird der Prozess durch eine Störungsmeldung durch die graf.riedi AG angestossen. Die Übermittlung der Störungsmeldung erfolgt elektronisch über VIAM und das AbaNet-E-Business-Netzwerk. Auf Seite der Wyser AG wird die Störungsmeldung über den ABACUS E-Business-Kommunikator in die ABACUS Auftragsbearbeitung heruntergeladen. Hierdurch wird ein Auftrag generiert, der vom Sachbearbeiter geprüft wird. Sind Ergänzungen nötig, so werden diese vom Sachbearbeiter durchgeführt. Der Disponent erstellt aus dem Auftrag einen Servicerapport und druckt diesen aus. Der Kundendiensttechniker führt nun die Arbeiten aus und hält diese handschriftlich auf dem Servicerapport fest. Zurück bei der Wyser AG ergänzt der Sachbearbeiter den Auftrag mit den Informationen auf dem Servicerapport. In einem Batchlauf wird die entsprechende Rechnung generiert, via AbaNet/VIAM an die graf.riedi AG geschickt und dort direkt in das ERP-System (RIMO R4) übernommen. Der Status der Rechnung kann jederzeit eingesehen werden. Aus rechtlichen Gründen wird zurzeit noch eine Papierversion der Rechnung verschickt.
Wie oben erwähnt wird im Falle von Reparaturen über 300.- CHF vorgängig die Immobilienverwaltung informiert. Bei Bedarf wird eine Offerte für ein Neugerät bzw. ein Kostenvoranschlag für die Reparatur erstellt und per E-Mail als PDF-Dokument an die graf.riedi AG geschickt.

Die folgende Abbildung illustriert diesen Prozess:

Abb. 2: Prozess der integrierten Abwicklung von Serviceaufträgen


Abb. 2: Prozess der integrierten Abwicklung von Serviceaufträgen


Anwendungssicht
Die Anwendungssicht betrachtet die Informationssysteme der beteiligten Partner. Dabei werden die drei Schichten Datenhaltung, Geschäftslogik und Benutzerinterface unterschieden.

Die Wyser AG setzt mehrere Module der ERP-Software ABACUS ein. Für den beschriebenen Fall ist insbesondere das Modul Auftragsbearbeitung von Bedeutung, das zur Auftragsabwicklung und zur Erzeugung elektronischer Dokumente eingesetzt wird. Die Übertragung der elektronischen Dokumente erfolgt über das von der Firma pragmaBAU Treuhand AG bereitgestellte E-Business-Netzwerk VIAM und die von ABACUS gehostete und gewartete E-Business-Plattform AbaNet.

Die Kommunikation zwischen der ABACUS Business Software und AbaNet erfolgt hinter den Kulissen, d.h. sie ist vollständig in die Software implementiert. Als Format wird das offene AbaDoc verwendet. Dabei handelt sich um ein XML-Format, mit dem alle wichtigen Geschäftsdokumente wie Offerten, Bestellungen, Lieferschiene, Rechnungen, usw. abgebildet werden können. Ausserdem ist – falls nicht aktiv unterdrückt – jedem dieser Dokumente ein PDF zugeordnet, das aber im Normalfall nicht beachtet wird. Bei Fehlern oder Unklarheiten ist diese PDF-Datei hilfreich. Die Kommunikation wird über SOAP (Simple Object Access Protocol) abgewickelt, welches das heute am meisten verbreitete Protokoll für Web Services ist.

Die Störungsmeldung wird bei graf.riedi in der Immobilienverwaltungssoftware Rimo R4 der Firma Aareon Schweiz AG erzeugt und an das VIAM gesandt. Im VIAM erfolgt die Umwandlung in ein AbaDoc, einem offenen ABACUS-Format auf XML-Basis. Via AbaNet wird das AbaDoc an den ABACUS E-Business-Kommunikator der Wyser AG weitergeleitet und in die ABACUS Auftragsbearbeitung geladen. Beim Senden der elektronischen Dokumente von der Wyser AG zur graf.riedi AG verhält es sich gerade umgekehrt.
Wie erwähnt setzt die graf.riedi AG das Rimo R4 ERP System ein. Dabei handelt es sich um eine integrierte, modular aufgebaute Gesamtlösung für das kaufmännische und technische Management von Wohn- und Gewerbeimmobilien.

Abb. 3: Anwendungsübersicht und Integrationsschema



Abb. 3: Anwendungsübersicht und Integrationsschema

Technische Sicht
Bei der Wyser AG sind drei Server im Einsatz, wobei auf einem davon die ABACUS E-Business-Software inkl. E-Business-Kommunikator läuft. Die folgende Tabelle stellt die Spezifikation des Servers dar:

Tab. 1: Spezifikationen und Merkmale

Tab. 1: Spezifikationen und Merkmale



CPU: Prozessor, RAM: Arbeitsspeicher, HD: Festplattenspeicher
BS: Betriebssystem, AW: Anwendungssoftware, DB: Datenbanksoftware

Das AbaNet ist ein von ABACUS gehosteter und gewarteter Service zur Anbindung an verschiedene E-Business-Netzwerke. Es ermöglicht Anwendern der ABACUS ERP-Software unabhängig von der eingesetzten Version die einfache Anbindung ihrer ERP-Software an E-Business-Netzwerke, ohne sich um die technische Konvertierung und das Mapping der Daten und Felder kümmern zu müssen.

Da die technische Anbindung an das VIAM über das von ABACUS betriebene AbaNet läuft, ist die technische Ausgestaltung bei den Partnern für die Fallstudie nicht von Bedeutung.


4. Projektabwicklung und Betrieb

Projektmanagement und Changemanagement
Das Projekt wurde im Jahr 2004 initiiert, als die Immobilienverwaltung graf.riedi AG ihre wichtigen Lieferanten darüber informierte, dass der Auftragsprozess zukünftig über das E-Business-Netzwerk VIAM abgewickelt werden soll. Daraufhin übernahm Michael Wyser (Geschäftsleitungsmitglied der Wyser AG) die Initiative und brachte die notwendigen Partner zusammen. Dabei handelte es sich um die pragmaBAU als Betreiber von VIAM, die ABACUS als Anbieter der Business Software sowie um die Zehnder Informatik als Projektkoordinator und Implementierungspartner.

Im Jahr 2005 wurde dann hinter den Kulissen gearbeitet. Erst im Jahr 2006 war die Anbindung von ABACUS via AbaNet an VIAM realisiert. Seit Mai 2006 ist die elektronische Integration zwischen der Wyser AG und graf.riedi produktiv im Einsatz.

Die Mitarbeitenden der Wyser AG wurden einerseits durch die pragmaBAU im Vorfeld der definitiven Realisierung geschult. Nach den Testläufen und vor dem Produktivstart wurden die Anwender durch Beat Zehnder im Bereich ABACUS Auftragsbearbeitung instruiert. Der Aufwand beschränkte sich dabei auf ein bis zwei Stunden Vorort-Training.

Die Wyser AG ist seit 1996 äusserst konsequent auf den Einsatz verschiedenster Informatiklösungen in allen Ebenen (Betriebswirtschaft, Marketing, Kommunikation) ausgerichtet und daher entsprechend organisiert und strukturiert. Dieses hohe Mass an Informatikanwendungen fordert von allen Mitarbeitenden seit Jahren viel Engagement und geistige Flexibilität, so dass es gegen die Einführung dieser prozessübergreifenden Geschäftsintegration keine Widerstände seitens der Mitarbeitenden gegeben hat.

Partnerwahl
Im Rahmen des Projekts wurde mit den bestehenden, langjährigen Partnern zusammen gearbeitet. Neu kam die Zusammenarbeit mit der pragmaBAU hinzu, welche allerdings während der Realisierungsphase vorwiegend die Zehnder Informatik und ABACUS betraf.

Entstehung und Roll-out der Software-Lösung
[Entwicklung] Das E-Business-Netzwerk AbaNet existierte bereits und musste daher nicht erst von ABACUS realisiert werden. Auch der ABACUS E-Business-Kommunikator zur Anbindung der ABACUS ERP-Software war bereits in der Angebotspalette vorhanden und musste lediglich auf dem Server der Wyser AG installiert werden.

Im Herbst 2005 wurde die Schnittstelle zwischen AbaNet und VIAM entwickelt. Viel Aufwand lag hier bei der pragmaBAU, da ABACUS lediglich AbaDocs an das VIAM weiterleitet bzw. von dort empfängt. Es mussten Felder definiert, Logik programmiert sowie Formulare und Masken angepasst werden.

Wyser wurde während der Entwicklungsphase nur gelegentlich kontaktiert. Für das Unternehmen war vor allem die automatische Übernahme in die Auftragsbearbeitung wichtig.
Anfang 2006 konnte das System zum ersten Mal getestet werden. Die Tests erfolgten direkt auf dem Produktivsystem mittels Testkunden. Hierdurch wurde der produktive Betrieb nicht tangiert. Es mussten noch Feinanpassungen (z.B. bzgl. des Detaillierungsgrads der versendeten Informationen) vorgenommen werden, damit der Datenaustausch zwischen den Systemen funktionierte. Hierzu stand der IT-Partner in engem Kontakt mit dem Programmierer der pragmaBAU.

Laufender Unterhalt
Der Betrieb der ABACUS Software wird durch die Zehnder Informatik gewährleistet. Den Betrieb der Office und Exchange-Software, des Netzes und der Server-Hardware inklusive Betriebssystem leistet die Firma Comtech in Münsingen.

Das AbaNet wird von der ABACUS Research AG in Kronbühl (St. Gallen) unterhalten. Das E-Business-Netzwerk VIAM betreibt die pragmaBAU Treuhand AG.


5. Erfahrungen

Nutzerakzeptanz
Durch die beschriebene Lösung gab es nur wenige Änderungen bei der Wyser AG. Entsprechend hoch ist die Akzeptanz bei den circa vier bis fünf SachbearbeiterInnen, die das System benutzen. Bislang kann nur ein kleiner Teil der eingehenden Servicemeldungen über VIAM abgewickelt werden, da zurzeit auf Kundenseite (Auftraggeber) nur die Firma graf.riedi AG im Grossraum Bern damit arbeitet.

Zielerreichung und bewirkte Veränderungen
Das System läuft seit der Inbetriebnahme wie geplant. Die Übermittlung der elektronischen Dokumente zwischen der Wyser AG und der graf.riedi AG erfolgt vollständig über das VIAM E-Business-Netzwerk. Dies umfasst den Prozess von der Übertragung der Störungsmeldung bis hin zur Übermittlung der Rechnung durch die Wyser AG. Ausstehend ist noch die vollständige und gesetzeskonforme elektronische Abwicklung der Rechnungsstellung und Bezahlung.

Veränderungen
Die erzielte Vereinfachung besteht darin, dass die Servicemeldungen der graf.riedi AG nicht mehr per E-Mail, Fax oder Telefon eingehen und von Hand im ERP-System erfasst werden müssen, sondern automatisch durch den ABACUS E-Business-Kommunikator heruntergeladen und in der Datenbank des ERP-System gespeichert werden. Die Nachbearbeitung durch die SachbearbeiterInnen beschränkt sich somit auf Ergänzungen und ist weniger aufwändig als das normale Bearbeitungsprozedere.
Das Ziel der Wyser AG und pragmaBAU besteht nun darin, weitere Kunden (Immobilienverwaltungen) zur Zusammenarbeit via VIAM zu bewegen.

Investitionen, Rentabilität und Kennzahlen
Da das System erst seit Ende Mai 2006 produktiv läuft, gehen zurzeit nur circa 2 % der Serviceaufträge über diesen elektronischen Kanal ein. Interessant wird die Lösung, wenn sich weitere Kunden der Wyser AG (hier: Immobilienverwaltungen) an VIAM anschliessen und damit der Prozentsatz der vollständig elektronisch übermittelten Dokumente steigt.
Durch den Versand der elektronischen Rechnungen werden bereits heute Porto- und Papierkosten gespart. Elektronische Rechnungen können schneller versendet werden, was schnellere Zahlungseingänge zur Folge hat. Da das System jedoch erst seit wenigen Monaten produktiv läuft und bisher nur die Firma graf.riedi partizipiert, sind die Einsparungen noch nicht quantifizierbar.

Mittelfristig sollen aufwändige Bearbeitungsprozesse für Kleinaufträge im Bereich Immobilienverwaltungen rationalisiert werden. Voraussetzung ist, dass sich diese Kundengruppe zukünftig ebenfalls an VIAM anschliesst.

Für die Wyser AG ergibt sich eine gestiegene Wettbewerbsfähigkeit und ein Imagegewinn, da die Integration der Prozesse zwischen den Kunden und den Lieferanten wichtiger wird. Als Pilotanwender nimmt die Wyser AG hier eine Vorreiterposition ein.

[Projektaufwand] Die externen Investitionskosten (geleistet durch Zehnder Informatik) betrugen circa 15'000.- CHF. Die internen Investitionskosten hielten sich in Grenzen, da nur wenige Sitzungen erforderlich waren. Die Betriebskosten sind volumenabhängig und betragen momentan 2.8 % der über VIAM abgewickelten Aufträge. Dieser Betrag wird an die pragmaBau Treuhand AG bezahlt. Für die Wyser AG ist diese Gebührenregelung nicht zufrieden stellend, da die Lieferanten (Handwerker) wesentlich höhere Nutzungsabgaben entrichten müssen als die Immobilienverwaltungen, welche jedoch im gleichen Mass von dieser Automatisierung profitieren.

Der ABACUS E-Business-Kommunikator ist Teil der Auftragsbearbeitung, so dass hierfür keine weiteren Lizenzgebühren bezahlt werden mussten. Die Aufwendungen für den Betrieb des AbaNet werden für alle VIAM-Zulieferer zwischen pragmaBAU und ABACUS geregelt, so dass Wyser keine Rechnung von ABACUS erhält.

Im Geschäft mit den Immobilienverwaltungen machen die Serviceaufträge circa 10 % des Umsatzes aus. Durch die kleinen Fakturierungsvolumen pro Serviceauftrag lohnt sich hier aus Sicht der Wyser AG die elektronische Abwicklung. Der Bearbeitungsaufwand für Kleinaufträge kann damit reduziert werden.

90 % und damit der weit wichtigere Teil des Umsatzes betrifft den Austausch von Geräten. Dies wird bewusst nicht über VIAM abgewickelt – nicht zuletzt auf Grund der volumenabhängigen Kostenstruktur.


6. Erfolgsfaktoren

Spezialitäten der Lösung und Reflexion der „Prozessexzellenz“
Das Spezielle an der beschriebenen Lösung ist die unternehmensübergreifende Abwicklung von Prozessen mit Standardsoftware über E-Business-Netzwerke. Hierdurch war es möglich, die unterschiedlichen ERP-Systeme der beteiligten Partner zu integrieren, ohne dass hierfür eine individuelle Punkt-zu-Punkt-Schnittstelle geschaffen werden musste.

Für Wyser liegt der Nutzen darin, dass durch die Anbindung von Lieferanten und Kunden ein B2B-Netzwerk entsteht, welches einerseits eine effizientere Auftragsbearbeitung zulässt und andererseits die Kundenbindung fördert, wodurch die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert wird. Die Vorteile ergeben sich für die bisherigen Beteiligten vor allem dann, wenn sich weitere Lieferanten und Kunden an dieses Netzwerk anschliessen und sich damit der Aufwand für die einmalige Anbindung an VIAM gegenüber individuellen Schnittstellen auszahlt.

Aus Sicht der Wyser AG war in erster Linie die Anbindung ihres ERP-Systems ABACUS an das AbaNet nötig. Beim AbaNet handelte es sich um ein vorhandenes Standardangebot des Softwareanbieters. Wyser muss sich weder um die Wartung noch die Konvertierung der Daten kümmern. Die Anbindung weiterer Partner ist mit wenig Aufwand machbar.

Lessons Learned
Es braucht einen gewissen Mut, ein first-mover im Bereich der ICT-gestützten B2B-Integration zu sein, d.h. zu einem frühen Zeitpunkt bei einer solchen unternehmensübergreifenden Integration über E-Business-Netzwerke aktiv mitzuwirken. Aus Sicht der Wyser AG rechnet sich die Anbindung insbesondere im Laufe der Zeit, wenn weitere Kunden über das E-Business-Netzwerk angebunden werden. Für die Kunden (in dieser Fallstudie die graf.riedi AG) auf der anderen Seite lohnt es sich erst dann, wenn viele Lieferanten über diese Kanäle integriert werden. Es besteht sozusagen das „Henne-Ei Problem“.

Anzumerken ist noch, dass es, wenn die Anbindung schnell erfolgen soll und Verzögerungen minimiert werden sollen, eine straffe Projektorganisation braucht. Hierzu gehören klare Verantwortlichkeiten, Meilensteine und Projektphasen.

Das persönliche Fazit von Wyser lautet: Es braucht den Mut, etwas anzustossen und zu sagen, „da machen wir mit“. Die Firma Wyser hat diesen Mut bewiesen und damit erfolgreich einen wichtigen Schritt in Richtung Prozessintegration getan.


Betreiber der Lösung

Wyser AG
Michael Wyser, Geschäftsleitung
Branche: Gross- & Einzelhandel, Haushaltgeräte
Unternehmensgrösse: KleinunternehmenWyser AG

Lösungspartner

Nicolas Guillet, Projektleiter E-Business
ABACUS Research AG

Autoren der Fallstudie

Michael Pülz
Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW

30. August 2006
Pülz; Michael (2006): Fallstudie Wyser AG; in:Wölfle; Ralf; Schubert; Petra (Hrsg.): Prozessexzellenz mit Business Software; S. 39 - 52; München; Wien: Hanser Verlag; 2006.
PDF zur Fallstudie, wie diese in der eXperience Buchreihe erschienen ist.
2204
wyser-zehnder
https://www.experience-online.ch/de/9-case-study/2204-wyser-zehnder
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