Interneteinsatz in der Leistungserstellung bei KEYSTONE

01. Juli 2002



Die KEYSTONE AG ist die grösste Bildagentur der Schweiz. Sie beliefert die gesamte Schweizer Presse mit Bildern zu aktuellen Ereignissen und verfügt über ein umfangreiches Archiv. In dieser Fallstudie wird gezeigt, wie der Bereich KEYSTONE-Online die gesamte Leistungserstellung mittels digitaler Technik bewerkstelligt. Damit werden bestehende Angebote nicht nur ersetzt, sondern auch erweitert. Für die Kunden entsteht zudem ein relevanter Zeitvorteil bei der Verfügbarkeit von Bildern.


Das hier vorgestellte Projekt www.keystone.ch wurde im Rahmen des "best of swiss web" Wettbewerbs 2002 als Sieger in der Kategorie "Business Model" ausgezeichnet.


1. Hintergrund

Aufgaben einer Bildagentur: Eine Bildagentur beschafft, erschliesst, archiviert und vermittelt Bilder. Zu den Kunden gehören sowohl Produzenten von journalistische Erzeugnissen als auch Gestalter von Werbemitteln. Zu den Aufgaben einer Bildagentur gehört es, Bildinhalte zu identifizieren und zu katalogisieren. Sie ist für die technische Bearbeitung und die Aufbewahrung der Bilder zuständig und nutzt, pflegt und verwaltet Bildinformationen. Neben spezifischen Auftragsarbeiten stellt eine Bildagentur auch selbständig ein Bildangebot zusammen und nimmt dies in ihr Angebot auf.


Die KEYSTONE ist die grösste Bildagentur der Schweiz. Sie wurde 1953 gegründet und ist heute unabhängig. Vorher war KEYSTONE Schweiz ein Teil der internationalen Agentur KEYSTONE View Company. KEYSTONE ist vollständig im Privatbesitz. Zwei Hauptaktionären gehört der Löwenanteil der Aktien, ungefähr 5-10 Prozent der restlichen Aktien befinden sich im Besitz von Kleinaktionären und Mitarbeitern. Die Unternehmung erwirtschaftet mit rund 90 Mitarbeitern 2001 einen Umsatz von rund 15 Millionen Schweizer Franken. Von den 90 Stellen sind mehr als 65 Vollzeitstellen.


"Zwanzig fest angestellte Fotografen und zahlreiche Stringer (Freischaffende) am Hauptsitz in Zürich und verteilt auf zehn Aussenbüros (Bern, Basel, Neuchâtel, Lausanne, Genf, Sion, Luzern, Lugano, Chur, St.Gallen) decken fotografisch die ganze Schweiz ab. KEYSTONE ist zudem Partnerin und Repräsentantin namhafter Fotografen und der wichtigsten ausländischen Agenturen. Dazu gehören die weltweit operierende Associated Press AP, die European Pressphoto Agency (EPA) und Getty Images für den Newsbereich, jedoch auch spezialisierte Agenturen wie Allsport, Science Photo Library, Camera Press, London, oder die junge Agentur Retna, New York und London.


Das Bildangebot von KEYSTONE umfasst also nicht nur News- und Themenbilder, sondern auch Katalogbilder (Stockbilder) und historische Bilder. KEYSTONE deckt fotografisch alles ab, sie übernimmt Fotoshootings, vom klassischen Fotojournalismus bis hin zum Porträt. "


KEYSTONE ist produktionsmässig in drei Abteilungen aufgegliedert (vgl. Abbildung 1).

Abbildung 1: Organisation der KEYSTONE.
Abbildung 1: Organisation der KEYSTONE.



Press:"Die Abteilung Press ist die News-Redaktion am Hauptsitz in Zürich. Sie koordiniert die aktuelle Produktion der KEYSTONE Fotografen und der internationalen Partner und stellt den Schweizer Medien ein dem aktuellen Tagesgeschehen entsprechendes Bildangebot zur Verfügung. Via Satellit liefert sie druckfähige Bilder direkt in die Bildsysteme der Abonnenten (vgl. Abbildung 2)." Satellitabonnenten sind Pressehäuser mit grossem Bedarf an aktuellen Bildern, wie beispielsweise Tageszeitungen.

Abbildung 2: Distribution über Satellit bei KEYSTONE Press.
Abbildung 2: Distribution über Satellit bei KEYSTONE Press.

Die KEYSTONE Fotografen liefern ihre Bilder direkt per Laptop und Mobiltelefon an die Redaktion. Die Fotografen versehen die Bilder selber mit Metadaten nach dem internationalen IPTC-Standard. Diese bestehen aus Hinweisen über das Bild. So erfährt man zum Beispiel, wo und wann das dargestellte Ereignis stattgefunden hat und wer abgebildet ist. Nach diesen Kriterien kann später auch in der Datenbank gesucht werden. Damit die Metadaten einheitlich erfasst werden, prüft sie die Redaktion manuell auf Konformität.


Die Redaktion hat noch eine zweite Quelle für Bilder, nämlich die internationalen Partner. Diese schicken ihr täglich durchschnittlich 1'500 Bilder, die KEYSTONE für ihre Kunden vorselektioniert. Die Bilder thematisieren Ereignisse aus dem Ausland. KEYSTONE agiert hier als Wiederverkäuferin von Nutzungsrechten an den Bildern. Für den Kunden und Medienkonsumenten werden diese Bilder mit dem Label "KEYSTONE/Agentur/Fotograf" sichtbar. Schliesslich wird die getroffene Auswahl an Bildern via Satellit an den Kunden geschickt. KEYSTONE leitet zu diesem Zweck die Daten über eine terrestrische Leitung an die Associated Press (AP) in London weiter, bei welcher KEYSTONE einen Satellitenkanal mit der Produktion entsprechender Bandbreite gemietet hat und die dann mittels Uplink die Daten über ihren Satelliten an die Schweizer KEYSTONE-Abonnenten übermittelt. Der Satellit kommt zum Einsatz, weil dieser einerseits die grösste Zuverlässigkeit bezüglich der Übertragungssicherheit der Daten bietet, und andererseits für Broadcasting noch immer die günstigste Variante darstellt.


Das News-Bildangebot über nationale und internationale Ereignisse, das via Satellit verbreitet wird, umfasst - je nach Nachrichtenlage - um die 250 Bilder pro Tag. Vierzig bis fünfzig Prozent dieser Bilder sind von eigenen Fotografen geschossen, der Rest wird wie oben beschrieben von Partnern eingekauft.


In der Abteilung Press, die den grössten Umsatz der Unternehmung erwirtschaftet, arbeiten rund 10 Leute, die im Schichtbetrieb für die laufende Aktualisierung sorgen.


Archive: "KEYSTONE Archive bildet zusammen mit KEYSTONE Color mit über zehn Millionen Bildern das grösste Bildarchiv der Schweiz und beschäftigt zirka 20 Mitarbeiter.


Historische Sammlungen wie das IBA-Archiv reichen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zurück, das Photopress-Archiv deckt die Jahre 1930 - 1980, das KEYSTONE-Archiv die Jahre 1950 - 2002 in der Schweiz ab."


Von den rund zehn Millionen KEYSTONE Bildern ist etwa ein Drittel aktiv im Umlauf. Braucht ein Kunde ein Stockbild für eine Werbekampagne oder ein historisches Bild für einen Hintergrundbericht, so können diese bei KEYSTONE bestellt werden. Ein Sachbearbeiter sucht die entsprechenden Motive heraus und schickt sie dem Kunden anschliessend als Print oder Dia zu. Auf Wunsch ist es auch möglich, sich das Bild scannen und in elektronischer Form zustellen zu lassen.


Das Archiv lagert die Bilder nicht digital. Dennoch kommen immer noch neue Bilder hinzu. Dazu gehören etwa Themenfotos und Bilder aus der Halbaktualität, wie beispielsweise vorerfasste Bilder von CEOs, bevor Anlass besteht, Artikel über diese zu schreiben. Der Grund für die physische Lagerung liegt in der noch immer besseren technischen Qualität der Negative oder DIA's für grossformatige Reproduktion gegenüber in normaler Bildauflösung digitalisierten Bildern.


Online: "KEYSTONE Online ist die Themen-Redaktion am Hauptsitz in Zürich und beschäftigt zehn Mitarbeiter. KEYSTONE Online archiviert die aktuelle Produktion auf der digitalen Datenbank, ergänzt sie mit thematischen Bildern, bereitet aktuelle und historische Themen redaktionell auf und bietet sie - laufend aktualisiert - in öffentlichen Lightboxes an."


Eine Lightbox ist eine themenbezogene Zusammenstellung von Bildern. Sie kann online bequem angeschaut werden, ohne dass jedes einzelne Bild mit der Suchfunktion und den passenden Stichworten gefunden werden muss.


"Auf der digitalen Datenbank von KEYSTONE kann der Kunde aus rund 450'000 Bildern auswählen und mit der entsprechenden Berechtigung via Internet druckfähige Daten herunterladen.


In der digitalen Datenbank findet der Kunde die gesamte Produktion der letzten Jahre sowie auch eine Auswahl von Bildern zu Begebenheiten wie dem Jahrestag einer Berühmtheit, politischen Ereignissen oder einem Jahresrückblick zu bestimmten Themen. Findet der Kunde ein gewünschtes Bild nicht, berät KEYSTONE und recherchiert bei Bedarf in den Datenbanken der internationalen Partner."


Zur Kundschaft des Bereichs Online gehören neben den Tageszeitungen, die das Onlineangebot eher als Archiv benutzen, auch kleinere Zeitschriften, Wochenzeitungen und Onlinedienste, für die ein Satellitenabonnent nicht wirtschaftlich wäre.


2. Problemstellung

Die Bildverarbeitung am Computer ist verhältnismässig jung. Erst seit etwa 1993 sind Lösungen vorhanden, die den Ansprüchen eines professionellen Einsatzes gerecht werden. 1996 setzte KEYSTONE erstmals eine bereits internetfähige Datenbanklösung ein. Diese Lösung war ein von der AP entwickeltes Produkt. AP gab aber die Weiterentwicklung und Unterstützung des Produktes auf, da sie die Datenbankentwicklung nicht zu ihrem Kerngeschäft zählte.


KEYSTONE Online stand nun vor dem Problem, ein Produkt nicht mehr einsetzen zu können, das die Ansprüche bis anhin sehr gut abgedeckt hatte.


3. Vision und Lösung



Angestrebt wurde eine Lösung, die mindestens so gut war wie die alte AP Lösung.


Die Vision bestand darin, eine multimediale Portallösung zu realisieren. Diese sollte die Verwaltung, Organisation, Verteilung und Recherche der Bilder ermöglichen. Es sollte ein effektives Bildverwaltungs- und Distributionssystem für den Einsatz im Medienumfeld entwickelt werden. Allen essentiellen Anforderungen vom Empfang, der Verwaltung bis hin zur Verteilung von Multimediainhalten sollte gerecht werden.


Um die obgenannten Ziele zu erreichen, wurde die SoftwarelösungImage Management & Portal System (IMPS) bei der Nethorizon AG in Auftrag gegeben. Bereits nach einem Jahr konnte IMPS am 10. Dezember 2001 in Einsatz genommen werden.

  • E-Business Konzept



IMPS dient als Ergänzung zum Satelliten und dem Archiv.


Der Unterschied zwischen Satellit und Online liegt im Übermittlungsprinzip. Der Satellit übermittelt täglich ca. 250 Bilder im Push Verfahren. Im Gegensatz dazu kann der Online-Kunde diese mittels Suchfunktion bei Bedarf herunterladen, was als Pull Verfahren bezeichnet wird. Der Satellitenabonnent kann somit auch noch zusätzliche Bilder beziehen, die nicht in der aktuellen Push Übermittlung enthalten sind.


IMPS funktioniert aber auch als Archiv. So werden die Bilder gespeichert und können so noch lange nach einem Ereignis wieder gefunden werden. Der Vorteil gegenüber dem herkömmlichen Archiv liegt in der wesentlich schnelleren Verfügbarkeit der Bilder. Dies weil die Bilder schneller gefunden werden können und das Scannen - oder gar per Post verschicken - von herkömmlichen Archivbildern entfällt. Das Archiv behält aber auch seine Existenzberechtigung. Qualitativ weisen herkömmliche Fotografien immer noch Vorteile auf. Zudem kann eine vom Archivprofi durchgeführte Recherche durch keine Onlinefunktion vollständig ersetzt werden.

  • Leistungsbeschrieb



Nachfolgend wird die Funktionsweise von IMPS aus der Sicht des Journalisten, der auf der Suche nach Bildern für einen Artikel ist, geschildert. Dies ist eine gekürzte Version der Dokumentation, die von Nethorizon zur Verfügung gestellt wurde.


Nach erfolgreicher Benutzerautorisierung erfolgt die Anzeige der Einstiegsseite, welche in Abhängigkeit des Benutzerprofils folgende Inhalte umfassen kann (vgl. Abbildung 3):

  • ·das Agenturprogramm (z.B. Tagesprogramm)
  • die Agentur-News
  • die Benutzer-Lightboxen wie auch eine Auswahl öffentlicher Lightboxen

 

Abbildung 3: Einstiegsseite IMPS für Journalisten.


Abbildung 3: Einstiegsseite IMPS für Journalisten.

Das stets präsente Modul Search & Retrieve (vgl. Abbildung 4 ) ermöglicht:

  • die Suche und Anzeige von Archiv- und Newsbildern mit Hilfe der Kombination von mehreren Suchkriterien
  • die unterschiedliche Darstellung des Suchresultats im gewählten Anzeigemodus
  • die Anzeige von Detailinformationen eines jeden Bildes über zusätzliche Dialogfenster
  • das Herunterladen von Bildern aus dem Suchresultat
  • das Kopieren von Bildern aus dem Suchresultat in die benutzerspezifischen Lightboxen

 

Abbildung 4: Suchmodul in IMPS.


Abbildung 4: Suchmodul in IMPS.

Werden bei der Suche Bilder gefunden, die sich in öffentlichen und/oder in den Kunden-Lightboxen befinden, so wird dem Benutzer in der Statuszeile des Suchresultats ein Link zu der Liste dieser Lightboxen angeboten.


Ligthboxen sind eine Zusammenstellung von kunden- oder themenspezifisch ausgewählten Bildern (vgl. Abbildung 5).

Abbildung 5: Anzeige einer Lightbox in IMPS.


Abbildung 5: Anzeige einer Lightbox in IMPS.

Das Modul Public & Customer Lightboxes umfasst:

  • die Verwendung von Lightboxen des Agenturprogramms (z.B. Tagesprogramm)
  • die Verwendung von Lightboxen des Suchresultats
  • die Verwendung von Lightboxen der Auftragsverwaltung
  • die Verwaltung der benutzerspezifischen Lightboxen durch den Benutzer
  • die Verwendung der öffentlichen Lightboxen, die durch die Agentur bereitgestellt werden
  • die Anzeige von Detailinformationen eines jeden Bildes über zusätzliche Dialogfenster
  • das Herunterladen von Bildern in den Lightboxen
  • das Kopieren/Verschieben von Bildern im Rahmen des Lightbox-Angebots



Das Modul "Download" ermöglicht das Herunterladen der hoch aufgelösten Bilder auf die Arbeitsstation des Benutzers. Neben dem Einzelbild-Download können auch mehrere Bilder gleichzeitig - in einem ZIP-Archiv verpackt - bezogen werden. Je nach Benutzerprofil muss vor dem Download ein Formular für die Angabe des Verwendungszwecks ausgefüllt werden (vgl. Abbildung 6).

Abbildung 6: Download eines hoch aufgelösten Bildes aus IMPS.
Abbildung 6: Download eines hoch aufgelösten Bildes aus IMPS.

Das Modul für Kundenaufträge ermöglicht die gruppenweite Bearbeitung von Kundenaufträgen.


Die Kundenaufträge werden über ein Web-Formular entgegengenommen. Der Bearbeitungsstatus des Auftrags (z.B. Auftrag angenommen oder abgelehnt, in Bearbeitung, Auftrag erfüllt) kann durch den Auftraggeber jederzeit via Web mitverfolgt werden. Zusätzlich wird der Auftraggeber bei definierten Status Änderungen per E-Mail benachrichtigt (z.B. Änderung des Sachbearbeiters, Auftrag abgeschlossen).


Die Bilder eines Auftrags werden in der Regel in die entsprechende Auftrags-Lightbox gelegt. Dieses Bildmaterial kann dann mit dem Instrumentarium des Bildarchivs genutzt werden (z.B. Funktionalität: Lightbox, Download, Search & Retrieve etc.) und bleibt dem Auftraggeber in der entsprechenden Lightbox auch über längere Zeit erhalten.


4. Softwarelösung

"IMPS ist ein Java Servlet System, das die Standards der Medienindustrie für den Bildaustausch unterstützt und in der Lage ist, mit den meisten Bildformaten umzugehen (ca. 70 Formate).


Die Inhalte werden nach dem Empfang in mehreren Ausprägungen im Filesystem abgelegt und mit den Inhaltsinformationen, die als XML-Objekte in einer Oracle Datenbank gespeichert sind, verknüpft. Die Datenbank bei KEYSTONE umfasst ca. 500'000 Einträge. Die Volltextindexierungs- und Such-Engine sorgt dafür, dass die Inhalte einfach und schnell gefunden werden können. "


Realisierungspartner: Die NetHorizon AG aus Winterthur ist bereits seit 1995 ein Internetdienstleister. Die Unternehmung konzeptioniert und entwickelt mit sieben eigenen und weiteren externen Mitarbeitern E-Business Lösungen.


Neben KEYSTONE und der innovativen M-Commerce Lösung www.mobilesound.ch, wird auch www.cede.ch, der führende Musik-CD- und DVD-Shop der Schweiz, in der Referenzliste aufgeführt. Die Version 2 von Cede.ch wurde 2001 mit dem Technology-Gütesiegel im Rahmen des "best of swiss web" Wettbewerbs ausgezeichnet.


5. Betrieb der Lösung

Betreuung: Die Betreuung des Datenbankinhalts wird von den Redaktoren und den Fotografen vorgenommen.


Wartung: Die eingesetzte Lösung wird von KEYSTONE als stabil bezeichnet. Es werden zwar auch heute noch Fehler entdeckt; diese sind jedoch meist nicht von gravierender Natur und werden in der Regel umgehend vom Realisierungspartner behoben.


Erweiterungsarbeiten stehen dem System bei der Verknüpfung mit der Software KEYSTONE ReWE, einer auf der Basis von 4D entwickelten Honorarabrechnungssoftware bevor. Die Übergabe von Daten aus den kostenpflichtigen Nutzungsmöglichkeiten soll somit in Zukunft automatisch erfolgen.


Vor grundlegenden technischen Änderungen, die grosse Anpassungen am eingesetzten System nötig machen, fürchtet man sich bei KEYSTONE nicht. Die eingesetzte Lösung ist sehr offen und skalierbar konzipiert. So soll es in Zukunft problemlos möglich sein, neue Grafikformate wie JPEG 2000 auch in die Datenbank aufnehmen zu können.


6. Nutzen und Kosten

Investitionsrechnung: Ein Bild, das heutzutage nicht online verfügbar ist, existiert nicht. Die Presse braucht ihre Bilder schnell und unkompliziert. Kann ein Bild nicht mit vernünftigem Aufwand gefunden werden, entscheidet sich der Kunde für ein anderes oder veröffentlicht den Artikel bildlos. KEYSTONE sieht die Onlinedatenbank daher als absolutes Must-Have im modernen Bildagenturgeschäft.


Augrund der hohen strategischen Bedeutung und der Unsicherheiten in Bezug auf die Entwicklungskosten und die Akzeptanz beim Kunden wurde auf die Berechnung eines Break-Even-Points oder der Anwendung einer anderen Investitionsrechnung verzichtet.


Art und Umfang der Kosten:
Die Kosten für die gesamte Lösung belaufen sich bis heute auf ca. eine Million Schweizer Franken. Ein Drittel der Kosten entfallen auf die Hardwarekosten. Ursprünglich waren für eine erste Lösung 500'000 Franken eingeplant. Der zusätzliche Aufwand ist den laufenden Verbesserungen und der Weiterentwicklung der Lösung zuzuschreiben.


Art und Umfang des Nutzens:
Neben der Tatsache, dass die Onlinedatenbank von strategischer Notwendigkeit ist, liegt ihr Nutzen für KEYSTONE aber auch darin, dass durch die schnellere Verfügbarkeit Kunden erst zum Einsatz von Bildern inspiriert werden. Es ist daher zu vermuten, dass durch diese Tatsache mehr Umsatz erzielt wird.


Ein weiterer Vorteil für KEYSTONE ist die verbesserte Kundenbindung. Früher kam es oft vor, dass Kunden, die Bilder über Satellit bezogen hatten, alle Bilder bei sich archivierten. Wenn jeder Kunde sein eigenes Archiv führt, ist dies aber äusserst ineffizient. Heute können sich die Kunden darauf verlassen, alle Bilder später über Internet bei KEYSTONE wieder abrufen zu können.


Wurde früher ein Bild im Archiv bestellt, fielen Kosten für das Scannen des Bildes, die Indexierung und die Lagerung in der Höhe von insgesamt ca. 100 Franken an. Mit der Onlinedatenbank und der digitalen Fototechnik entfällt das Scannen. Die Indexierung wird dank der Arbeitsteilung mit dem Fotografen verbilligt und die Lagerungskosten sind wesentlich tiefer.


7. Erfolgsfaktoren



Wissen über Veränderungen in der Branche:
Der CEO von KEYSTONE, Herr Walter Grolimund, amtiert gleichzeitig als Präsident der European Pressphoto Agency sowie als Mitglied des Managements der IPTC. In diesen Funktionen ist er über die Entwicklungen bei Partneragenturen im Ausland sowie bei Technologiepartnern gut informiert und konnte so früh den Trend zum Onlinegeschäft voraussehen.


Die Ersten werden die Ersten sein:
Wer zuerst auf dem Markt eine Lösung mit echtem Kundennutzen anbieten kann, erzielt nicht nur einen beträchtlichen Imagegewinn sondern auch mehr Umsatz dank einem Kundengewinn und Mehrumsatzes mit bestehenden Kunden.


Kurze Entscheidungswege:
KEYSTONE zählt zu den KMUs und verfügt über kurze interne Entscheidungswege. Die rasche Entscheidungsfindung wird von KEYSTONE als eine wichtige Komponente für die zügige Projektrealisation gesehen.


Zwei Projektleiter mit genügend Kapazität einsetzen:
Sowohl KEYSTONE als auch Nethorizon setzten je einen Projektverantwortlichen ein. Diese Aufgabenteilung hat sich als sehr nützlich erwiesen. Herr Jenatsch - der Projektleiter bei KEYSTONE - weist aber darauf hin, dass die zusätzliche Arbeitsbelastung nicht zu unterschätzen ist. Das tägliche Geschäft ist meist schon sehr arbeitsintensiv. Deshalb müssen vom Projektleiter Massnahmen getroffen werden, um ausreichend Kapazitäten zur Verfügung stellen zu können.


Eigenentwicklung:
Da keine Standardsoftware die angestrebte Funktionalität der Online-Lösung bieten konnte, musste gezwungenermassen eine Individualsoftware entwickelt werden. Wie die Erfahrung zeigt, weisen Eigenentwicklungen höhere Projektrisiken auf. Sie stellen insbesondere in der Phase der Konzeption und während der Implementierung erhöhte Anforderungen an das Projektmanagement.


Es erwies sich im vorliegenden Fall als Vorteil, dass die Vorgängerlösung von AP als Vorlage herangezogen werden konnte. Damit wurde die Projektspezifikation erheblich erleichtert und die Kommunikation zwischen dem Entwicklerteam und dem Auftraggeber vereinfacht.


KEYSTONE liess Nethorizon trotzdem viel Freiheit und versuchte nicht im vornherein zu viele Details zu spezifizieren. Um trotzdem ein für KEYSTONE optimales Resultat zu erzielen hat, es sich als vorteilhaft erwiesen, wöchentlich eine Sitzung zwischen KEYSTONE und Nethorizon zu institutionalisieren.


Betreiber der Lösung

Keystone AG
Jann Jenatsch, COO
Walter Grolimund, CEO
Branche: Marketing/Werbung/Medien/Verlage, Bildagentur
Unternehmensgrösse: MittelunternehmenKeystone AG

Autoren der Fallstudie

Martin Gutmann
Universität Bern

01. Juli 2002
Gutmann; Martin (2002): Fallstudien zur Internetnutzung in Schweizer Unternehmen; Lizentiatsarbeit an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern; Institut für Wirtschaftsinformatik.

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1954
keystone
https://www.experience-online.ch/de/9-case-study/1954-keystone
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