Bei RWE sind Geodaten unternehmensweit verfügbar

26. January 2004



Bei der RWE Power AG, einem der führenden Stromproduzenten Europas, werden geografische Daten für den Braunkohletagebau jetzt zentral auf der Basis von .NET verwaltet. Web Services versorgen sämtliche Anwendungen mit bedarfsgerecht skalierten digitalen Karten. Außerdem stehen die Geodaten im Intranet bereit und können via Office oder Browser angesprochen werden. Dank komfortabler Navigationshilfen, die sich nahtlos in alle vorhandenen Systeme integrieren, beschleunigt die .NET-Lösung die Verarbeitung geografischer Informationen. Ohne zusätzliche Lizenzkosten profitieren rund 3000 Mitarbeiter vom internen Geoservice. Damit erspart sich RWE Power den Aufwand für bisher erforderliche Reproleistungen.


1. Das Unternehmen

RWE Power zählt zu den größten Stromproduzenten Europas. Die Energiegesellschaft des RWE-Konzerns setzt auf hochflexible, bedarfsgerechte Erzeugung: Kernenergie und Braunkohle aus eigener Tagebauförderung decken die Grundlast ab. Daneben sichern Steinkohle, Gas und regenerative Energien wie Wasser, Wind und Biomasse die Mittel- und die Spitzenlast. Mit diesem marktgerechten Energiemix kann RWE Power den Kunden einen ebenso sicheren wie preiswerten und umweltfreundlichen Strom anbieten. Zudem stellt das Unternehmen feste Brennstoffe und Filterkoks aus Braunkohle her. Die RWE Power AG und ihre in- und ausländischen Beteiligungsgesellschaften beschäftigen rund 20 000 Mitarbeiter. Gemeinsam erwirtschaften sie einen Jahresumsatz von etwa 4,7 Milliarden Euro und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur Stärke des Gesamtkonzerns.


2. Hintergrund und Problemstellung

Zwischen Grevenbroich, Kreis Neuss, und der A 44 Aachen-Düsseldorf lagert die Braunkohle in drei Flözen, zusammen ein etwa 40 Meter starker Block. Hier fördern die Kumpel vom Tagebau Garzweiler I pro Jahr knapp 38 Millionen Tonnen des fossilen Energieträgers. Dabei werden rund 140 Millionen Kubikmeter Abraum bewegt: Kies, Löss und Sand, mit dem die RWE Power AG ihre weiter südlich gelegenen ehemaligen Abbaugebieten auffüllt und nachhaltig rekultiviert.

„Der Tagebau verändert die Oberflächenstruktur der betroffenen Areale permanent“, berichtet Carsten Weyand. „Aktuelle Vermessungen und die Kartierung regelmäßig aufgenommener Luftbilder liefern beständig frischen Input an unsere geografische Datenbasis – nicht nur für Garzweiler I, sondern auch für die anderen RWE-Tagebaugebiete Hambach und Inden.“ Wie kaum ein anderer kennt Projektleiter Weyand die vielen Hürden, wenn es darum geht, aktuelle Geodaten unternehmensweit bereitzustellen.

Topografische Grundkarten, die sich je nach Kontext mit fachlich unterschiedlichen Meta-Informationen anreichern lassen, werden eigentlich an vielen Stellen im Unternehmen benötigt, sagt Carsten Weyand, „nicht nur in der Tagebauplanung, der Rechtsabteilung oder dem Liegenschaftswesen, sondern auch im Einkauf oder Marketing. Allerdings blieb die direkte Nutzung dieser Daten in der Vergangenheit den vergleichsweise wenigen Anwendern anspruchsvoller geografischer Informationssysteme (GIS) vorbehalten.“ RWE Power nutzt für unterschiedliche Zwecke diverse GIS wie GeoMedia oder ArcView, aber auch CAD-Software wie MicroStation und AutoCAD. Etwa 270 speziell geschulte Mitarbeiter arbeiten mit diesen Systemen. Alle anderen – und ihre Zahl geht in die Tausende – waren für ihren Kartenbedarf bislang auf die Reproabteilung verwiesen. Wartezeiten waren hier meist unvermeidlich.

Arbeitszeit ging außerdem verloren durch die Ablageorganisation geografischer Daten im File System. Der Zugriff erfolgte über Kartennummern. „Es dauerte viel zu lange, bis ein gewünschter Kartenausschnitt im richtigen Maßstab endlich auf dem Bildschirm zur Verfügung stand“, erinnert sich Carsten Weyand. Problematisch außerdem: das Handling mehrerer grundverschiedener GIS-Datenformate, das der Projektleiter als aufwändig beschreibt.


3. Lösung

Die Lösung der g.on experience gmbh, Münster, gibt auf all diese Herausforderungen die gleiche Antwort: Web Services auf der Basis von .NET. „Sie sind der Schlüssel für die kosteneffiziente und unternehmensweite Bereitstellung geografischer Daten über das Intranet von RWE“, meint Carsten Schmidt, Vertriebs- und Marketingchef bei g.on experience. Dank internationaler Standards wie XML (Extensible Markup Language) und SOAP (Simple Object Access Protocol) bietet die Microsoft-Technologie zudem ein Maximum an Zukunftssicherheit und Investitionsschutz. Denn: „.NET-Lösungen, zumal wenn sie Web Services nutzen, sind system- und plattformunabhängig. Sie bedienen im konkreten Fall bedarfsgerecht alle vorhandenen GIS.“ Von den Lizenzkosten für die Geo-Informationssysteme einmal abgesehen, repräsentieren die entsprechenden Mitarbeiterqualifikationen erhebliche Schulungsinvestitionen, die dank .NET auch künftig geschützt bleiben.

Abbildung 1: Lösung nach dem Baukastenprinzip
Abbildung 1: Lösung nach dem Baukastenprinzip


Die Lösung bei RWE Power setzt sich nach dem Baukastenprinzip aus verschiedenen Web Services zusammen. Beispielsweise gibt der Web Service geo.webservice.datenkatalog per Mausklick Auskunft über Verfügbarkeit, Format und Aktualität eines bestimmten Kartenausschnitts. Und anders als früher offeriert das System verschiedene Einstiegsoptionen: neben Koordinaten zum Beispiel auch Adressen oder Flurstücksnummern. Diese so genannte Geocodierung steuert der Web Service geo.webservcice.geocode bei. Er gleicht zudem alle Adresseingaben ab und korrigiert automatisch mögliche Tippfehler.


4. Funktion und Nutzen

Sämtliche Funktionen stehen sowohl im Browser als auch unter MicroStation, GeoMedia oder AutoCAD zur Verfügung. Carsten Schmidt: „Für alle gängigen CAD- und GIS-Systeme liefern wir vorkonfigurierte Erweiterungen, die alle benötigten Daten und Funktionen in das jeweilige System integrieren. Das gleiche gilt für Office-Programme wie Excel oder PowerPoint. Zudem erleichtern Wizards, die man von Windows her kennt, den Umgang mit den Geodaten.“ Aus Sicht der Architektur – und das berührt wieder den Aspekt der Zukunftssicherheit – kann das System neben beliebigen Desktop-, Server- und Browserclients problemlos auch mobile Endgeräte mit geografischen Daten versorgen. Interessant ist das zum Beispiel für Unternehmen mit Außendienstmitarbeitern.

„Vorausgesetzt, dass nicht wie bisher etliche Megabyte pro Kartenausschnitt übertragen werden müssen“, spielt Arnd Spiering, Leiter Softwareengineering bei g.on experience auf frühere Probleme an. Die .NET-Lösung ist allerdings intelligent genug, den Clients Geodaten nur in der tatsächlich erforderlichen Auflösung anzubieten. So genügt für Browser-Anwendungen meist schon die einfache Bildschirmauflösung von 1024 mal 768 Pixel. „Daraus ergibt sich eine Reduktion des transferierten Datenvolumens um rund 90 Prozent“, hat Arnd Spiering errechnet. Geringere Datenmengen sind nicht nur Voraussetzung für mobile Anwendungen von morgen. Bei RWE Power entlasten sie schon heute das Netzwerk und sorgen für kurze Ladezeiten.


5. Produktivitätsgewinn und Return on Investment

Den größten Gewinn der zentralen Geodatenhaltung auf .NET-Basis sieht Carsten Weyand darin: „Endlich können Mitarbeiter aus allen Abteilungen und Bereichen selbständig auf das digitale Kartenmaterial zugreifen. Wartezeiten beeinträchtigen die Produktivität ihrer Geschäftsprozesse nicht mehr.“ Zudem entfallen die früher erforderlichen aufwändigen Reproleistungen, was noch einmal zu enormen Einsparungen führt: „Die Investitionen in die .NET-Lösung haben sich allein durch interne Produktivitätsgewinne refinanziert“, freut sich der Projektchef.
Inzwischen nutzen etwa 3000 Mitarbeiter von RWE Power die via Web Service und Intranet bereitgestellten Geodaten. „Als Web-Anwendung weist unsere .NET-Lösung äußerst geringe Wartungskosten auf. Und sie erfordert praktisch keinen Aufwand fürs Deployment – ein Vorteil, der sich bei hohen Nutzerzahlen besonders auszahlt“, sagt Carsten Schmidt.

Für Projektleiter Carsten Weyand steht fest: „Eine wirtschaftlich vernünftige Alternative zur .NET-Lösung von g.on experience gibt es für uns nicht.“ Denn wollte man vergleichbare Effekte mit GIS- oder CAD-Systemen realisieren, wären pro Arbeitsplatz zwischen 6000 und 11 000 Euro Lizenzkosten fällig. Bei 3000 Anwendern ergibt das allein für die Einstiegsinvestition einen mehrstelligen Millionenbetrag – und damit mehr als das Hundertfache der Gesamtkosten für die .NET-Lösung. Vom horrenden Schulungsaufwand gar nicht erst zu reden.
Diese äußerst positive Bilanz schafft Freiraum für die Verfeinerung der Lösung. Bei RWE Power stehen fachliche Weiterentwicklungen an. So plant Carsten Weyand, so genannte Ganglinien, Verläufe von Brunnenpegelständen, in das digitale Kartenwerk zu integrieren. Auch die Positionsbestimmung der Tagebaubagger via GPS (Global Positioning System) ist im Gespräch. Carsten Schmidt hört das gelassen: „Das Web Service-Konzept von .NET hält uns dafür alle inhaltlichen Optionen offen.“ Übrigens sei die modulare Lösung auch für Unternehmen interessant, die innovativen Geoservice an Kunden verkaufen möchten. Ein entsprechender Web Service, der für die nutzungsabhängige Abrechnung sorgt, ist im System bereits integriert.


6. Glossar: XML und SOAP

XML steht für Extensible Markup Language. Dabei handelt es sich um eine standardisierte Datenbeschreibungssprache, die speziell für den Datenaustausch zwischen verteilten Web-Anwendungen ausgelegt ist. XML ist weder an konkrete Plattformen noch an bestimmte Hersteller gebunden. Das erklärt die immense Bedeutung des Standards, wenn es um Web-Anwendungen geht, die System- und Plattformgrenzen überwinden sollen.

Das Simple Object Access Protocol (SOAP) definiert die Nutzung von XML und dient überwiegend als reines Austauschprotokoll. Frei von jeder speziellen Anwendungssemantik schafft es so Verbindungen zwischen heterogenen Systemwelten. Weil SOAP über HTTP Ports läuft, werden auch Firewalls problemlos überbrückt. Bewusst wurde SOAP so einfach wie möglich gehalten und manch wünschenswert erscheinender Aspekt ausgeschlossen. Denn das Ziel war ein extrem leichtgewichtiges, plattform- und herstellerunabhängiges Protokoll, das die Forderungen nach Interoperabilität und hoher Performance gleichermaßen erfüllen kann.


Owner/s of the solution

RWE Power Aktiengesellschaft
Carsten Weyand, Projektleiter
Industry: Energy and water supply
Company size: large-scale enterpriseRWE Power Aktiengesellschaft

Solution partner/s

Carsten Schmidt, Vertriebs- und Marketingchef
g.on experience gmbh

Case study author/s

Microsoft Deutschland GmbH
Microsoft Deutschland GmbH

26. January 2004
Microsoft Deutschland GmbH

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ms-de-gonexperience-rwe
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